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Griechen, Römer, HSV

Die Griechen sind ein kleines großes Völkchen, meinem geliebten Hamburger Sportverein nicht unähnlich. Auch die Farben teilen sie sich, blau und weiß. Die Hamburger fügten noch schwarz hinzu, wohl wegen der Begegnungen der letzten Jahre, die meist ein Trauerspiel waren. Beide haben in der Vergangenheit Großartiges geleistet. Die antiken Griechen haben die Demokratie erfunden, der HSV die Unabsteigbarkeit. Beide sind der Überzeugung, dass das für alle Ewigkeiten reicht.

Doch das goldene Zeitalter des Perikles dauerte nur 34 Jahre und zur 5000jährige Historie, auf die in Athen häufig hingewiesen wird, gehören auch die letzten 2500 Jahre, in denen die Griechen vor allem Zuschauer ihrer eigenen Geschichte waren. Im Jahr 146 v. Chr. werden Makedonien und Griechenland zur römischen Provinz und die politische Unabhängigkeit Griechenlands ist für lange Zeit beendet. Danach prägen die Kreuzfahrer und die Osmanen die Entwicklung des Landes, der Revolution folgen zwei Weltkriege, Bürgerkrieg und Militärdiktatur. Und jetzt, wie nicht wenige Griechen meinen, bestimmen die EU und Deutschland über die Geschicke der Menschen.

Die griechische Kultur aber lebte im Imperium Romanum fort und prägte zunehmend auch die römische Zivilisation. Die gebildeten Römer sprachen neben Latein auch Griechisch. Kunst und Kultur, Wissenschaft und Philosophie, Lebensstil und Religion waren von der griechischen Antike inspiriert und wurden mehr oder weniger integriert. Dabei wurde dieser Einfluss nicht von allen positiv gesehen. Der ältere Cato (234-149 v. Chr.) schrieb seinem Sohn: „Über deine Griechen, mein Sohn, werde ich sagen, was ich in Athen für Erfahrungen gesammelt habe, und dass es gut ist, in ihre Bücher einen Blick zu tun, nicht sie durchzuarbeiten; ich werde erweisen, dass ihre Art höchst nichtsnutzig ist und unbelehrbar; und glaube nur, dies ist ein Prophetenwort: Sobald dies Volk uns seine Bücher gibt, wird es alles ruinieren.“ (bei Bringmann: Kleine Kulturgeschichte der Antike). Auch 200 Jahre später noch fing sich Kaiser Hadrian für seine Zuneigung zum Griechischen und insbesondere zu Athen, den spöttischen Beinamen Graeculus („Griechlein“) ein.

Beitrag 1/4 von meiner Athen-Reise Ende Oktober 2015.

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