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Römisches Nationalmuseum: Diokletiansthermen

„Treten wir ein, so nimmt uns ein gelinde geheizter Saal auf, aus dem uns eine keineswegs unangenehme Wärme entgegen kommt, sehr groß, beiderseits abgerundet und hinter diesem zur Rechten ein sehr freundliches Gemach, das bequeme Gelegenheit bietet, sich zu salben, und das beiderseits mit phrygischen Marmor verzierte Eingänge hat, die von der Palästra her Eintretenden aufzunehmen. Dem folgt darauf ein Saal, der von allen der schönste ist, auch er bis oben an die Decke von phrygischen Marmor schimmernd; sehr behaglich darin herumzustehen und zu sitzen und ohne Schaden nach dem Bade zu verweilen, und sehr geeignet, sich darin massieren zu lassen. Daran schließt der geheizte, mit numidischen Marmor ausgelegte Durchgangsraum. Der innere Saal endlich ist prächtig, von reichem Licht durchflutet und bunt wie mit Purpur gefärbt.“ Was der Grieche Lukianos im zweiten Jahrhundert über eine römische Badeanlage geschrieben hat, spiegelt sich auch in der Rekonstruktionszeichnung der Diokletiansthermen des französischen Architekten Paulin aus dem 19. Jahrhundert wieder.

Die Diokletiansthermen in der Nähe des Hauptbahnhofs in Rom sind neben dem Palazzo Massimo alle Terme und dem Palazzo Altemps der bedeutendste Standort des Römischen Nationalmuseums. Die antike Thermenanlage war mit 130.000 qm Nutzungsfläche die größte öffentliche Badeanlage Roms. Kaiser Diokletian gab sie in Auftrag und sein Nachfolger ließ sie zwischen 298 und 306 erbauen. Die spektakuläre Anlage fasste 3.000 Besucher, die verschiedene kalte, warme und heiße Wasserbecken und Räume nutzen konnten. Ein etwa 4000 qm großes Schwimmbecken, Sporträume, eine Bibliothek, Dampf- und Schwitzbäder sowie verschiedene Aufenthalts- und Ruheräume machten aus der Kaisertherme eine Wellness-Osase. Einen Eindruck von der einstigen Größe und Pracht der Diokletiansthermen gewinnt man beim Besuch der Kirche Santa Maria degli Angeli. Ihr imposanter Eingang ist eine Exedra des einstigen Warmbaderaums der Therme. Im heutigen Römischen Nationalmuseum Diokletiansthermen sind noch weitere große Hallen zugänglich, die früher als Eingangshalle oder Wasserreservoir für das große Schwimmbecken dienten.

Im Garten vor dem Eingang zu den Diokletiansthermen steht eine Galerie von Grabmälern römischer Soldaten. Sie dienten in der Prätorianergarde oder nahmen Polizeiaufgaben in den städtischen Kohorten wahr, oder waren Mitglieder der persönlichen Leibwache der römischen Kaiser. Neben den Prätorianern verließen sich die julisch-claudischen Kaiser vor allem auf ihre germanische Garde, in der überwiegend Bataver vom Niederrhein und Ubier aus der Gegend um Köln dienten. Sie galten als kampfkräftig und besonders loyal, vom Bataver-Aufstand einmal abgesehen.

Die Grabinschriften erwähnen beispielsweise Indus, Leibwächter des Nero Claudius Caesar Augustus, aus der Dekurie des Secundus. Er war batavischer Herkunft und lebte 36 Jahre. Den Grabstein errichtete sein Bruder und Erbe Eumenes, aus dem Collegium der Germanen. Oder Sextus Gracchius Fronto aus Faventia. Soldat der vierzenten Prätorianerkohorte, aus der Zenturie des Gallus. Er diente 17 Jahre. Ein anderer Grabstein nennt Marcus Ulpius Victor, Reiter aus der persönlichen Leibgarde des Kaiser (vielleicht Trajan). Er stammte aus dem heutigen Köln. Auch ein Publius Sulpicius Peregrinus ist überliefert. Er wurde von seiner Stammeinheit als berittener Wachsoldat zur Prätorianergarde abkommandiert.

Die Aula Ottagona war früher Teil der Diokletiansthermen. Das Frigidarium (Abkühlraum) befand sich hier. In den 1920er Jahre brachte man in dem Kuppelbau ein Planetarium unter. Heute werden hier einige Marmor- und Bronzeskulpturen aus dem Bereich der Thermenanlage ausgestellt. Zurzeit ist Aula Ottagona auf unbestimmte Zeit geschlossen.

National Roman Museum – Baths of Diocletian, Viale Enrico De Nicola, Rome.

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