Germanien·Römer

Göltzschtalbrücke – Eisenbahnviadukt

Die Göltzschtalbrücke ist ein Eisenbahnviadukt und die größte Ziegelstein­brücke der Welt.

Ihre Bögen verströmen die Anmut römischer Aquädukte. Die Brücke überspannt das Göltzschtal bei Netzschkau, einem kleinen Ort zwischen Plauen und Zwickau. Eine sehr freundliche Ehrenamtliche vom Fremdenverkehrsverein Nördliches Vogtland kommt über den Parkplatz, um mir einen Infoflyer zu bringen. Das kleine Flüsschen Göltzsch fließt beschaulich zwischen den Brückenpfeilern hindurch, auf der Bundesstraße Staatsstraße 295 fährt ab und zu ein Auto. Weiter vorne lässt jemand eine Kameradrohne aufsteigen. Die Sonne scheint. Es ist Sonntagvormittag.

Eine Schautafel nahe der Brücke verweist auf den Vorbildcharakter der Pont du Gard, dem römischen Wasseraquädukt in Frankreich. Vor allem auf historischen Ansichten ist die Ähnlichkeit unverkennbar. Allerdings ist die Göltzschtalbrücke doppelt so lang und – nicht ganz – doppelt so hoch. Dafür ist die Pont du Gard etwa 2000 Jahre alt, während die Göltzschtalbrücke noch keine 200 Jahre auf dem Buckel hat. Die Römer bauten drei Jahre lang, die Sachsen fünf Jahre. Nach Fertigstellung versorgte der Aquädukt 500 Jahre lang das antike Nimes mit Wasser, während der Viadukt es den Reisenden ab 1851 ermöglichte, per Bahn von Leipzig nach Hof bzw. von Dresden nach Nürnberg zu kommen. Seinerzeit fuhren Züge der Sächsisch-Bayerischen Eisenbahngesellschaft, heute verkehrt mehrmals täglich der Mittelsachsen-Vogtland-Express der Deutschen Bahn. Auch die private Vogtlandbahn ist unterwegs.

Konstruiert wurde die Göltzschtalbrücke von Johann Andreas Schubert. An ihn erinnert erst seit 1958 eine Gedenktafel. Während der 1848er Revolution für politische Freiheiten und demokratische Reformen hatte sich Schubert auf die Seite der Aufständischen geschlagen. Prompt fiel er später beim sächsischen König in Ungnade. Bei der feierlichen Eröffnung der Brücke am 15. Juli 1851 wurde sein Name kein einziges Mal erwähnt. Aus Ziegelsteinen hat man die Brücke übrigens deshalb gebaut, weil es in der Nähe große Lehmvorkommen gab. So konnten die benötigten 26 Millionen Ziegel kostengünstig und schnell hergestellt werden. An den besonders stark beanspruchten Stellen der Brücke wurden Granitsteine beim Bau verwendet. Die Göltzschtalbrücke hat noch eine kleine Schwester, die Elstertalbrücke in Jocketa. Sie liegt auf derselben Bahnstrecke und wurde zeitgleich gebaut.

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