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Eintausend Syrer in Straubing

Nein, dies ist keine aktuelle Flüchtlingsmeldung unserer Tage. Aber es war wohl eine Meldung zu der Zeit, als Straubing noch Sorviodurum hieß und ein römischer Militärstandort in der Provinz Raetien am Limes zu Germanien war.

Die 1000 Syrer waren eine Einheit römischer Hilfstruppen, die zwischen 107 und 116 n. Chr. hierher verlegt worden waren. Bei der Kohorte handelte es sich um die „cohors I Flavia Canathenorum miliaria sagittariorum“, eine teilberittene Spezialeinheit von Bogenschützen. Sie wurde in der römischen Provinz Syria im Gebiet der Stadt Canatha, dem heutigen Qanawat, aufgestellt. Schon die römische Militärbürokratie war ein Meister darin, den Begriff der „heimatnahen Verwendung“ phantasievoll auszulegen. Schließlich konzentrierten die Römer an ihrer östlichen Grenze zwischen Schwarzem und Roten Meer 10 Legionen. Der Bedarf an Truppen und Hilfstruppen war wohl da. Aber vielleicht wollte man auch die Zuverlässigkeit von Einheiten die aus der Gegend kamen, bei Unruhen nicht unnötig auf die Probe stellen.

Also landeten die Syrer in römischen Diensten in der Gegend des heutigen Niederbayern und bezogen in Sorviodurum ein Kastell, während nahezu zeitgleich eine aus der römischen Provinz Britannien verlegte Bataver-Kohorte holländischer Germanen das andere Kastell in Beschlag nahm. Die Syrer hinterließen den Name ihrer Einheit auf Ziegelstempeln und Inschriften. Auch der Name eines Soldaten ist überliefert. Ein Marco Aurelio Silvano, Feldzeichenträger in der 1. Canathenerkohorte, zog nach 21 Jahren Dienstzeit ins 400km entfernte Carnuntum, wo er im Alter von 51 Jahren starb und ihm Familie oder Freunde einen Grabstein errichten. Ursprünglich kam Silvano aus Damaskus, wie die Inschrift ausführt und hatte vielleicht von dem bestenfalls kleinstädtischen Leben in Sorviodurum die Nase voll und zog in die urbane Metropole der Nachbarprovinz.

Ich frage mich, woher eigentlich die neuen Rekruten der Einheit kamen? In mehr als 100 Jahren dürften zwischen 5.000 und 10.000 Mann nach dem Ende ihrer Dienstzeit ausgeschieden, im Kampf gefallen oder an Krankheiten verstorben sein. Je nachdem wie verlustreich die Kämpfe gegen die Markomannen und Alamannen waren, muss man wohl eher von mehr als weniger Bedarf an neuen Soldaten ausgehen. Kamen die immer aus der Gegend in Syrien, in der die Einheit seinerzeit aufgestellt wurde? Immerhin handelte es sich bei der Bogenschützeneinheit um einzigartige Spezialisten in Raetien, was für diese Vermutung spräche. Oft hatten die Hilfstruppensoldaten auch Kinder mit einheimischen Frauen, die in der Zivilstadt neben den Kastellen lebten und die sie nach Ende ihrer Dienstzeit heiraten konnten. Das mit der ehrenvollen Entlassung aus dem Militärdienst verliehene römische Bürgerrecht schloss auch ihre Frauen und Kinder mit ein. Vielleicht traten nicht wenige der Soldatenkinder in die Fußstapfen ihrer Väter und dienten in der gleichen Einheit. Oder sie nutzen das Bürgerrecht, um einer der römischen Legionen beizutreten. So wären syrisch-raetisch-römische Männer vielleicht von der Donau an den Rhein oder an den Nil oder in eine andere Ecke des römischen Reiches gekommen.

Über Leben und Sterben der Straubinger Römer informiert das kleine aber feine Gäubodenmuseum. Antikes Highlight ist der sogenannte Römerschatz. Bei Aushubarbeiten in den 1950er Jahren wurden zahlreiche Teile von Paraderüstungen wie Gesichtshelme und Beinschienen sowie Kopfschutze von Pferden gefunden.

3 comments

  1. Peter Kirschner says:

    Tut mir leid, wenn ich das so sagen muss, aber dieser Beitrag beinhaltet drei grobe Fehler:

    1. Waren die Bataver nicht NEBEN den Kanathener stationiert. Im sogenannten Westkastell war die 2. Rätische Kohorte untergebracht (bis circa 168 n. Chr.) … die Bataver waren die Vorgänger der Kanathener und wurden von diesen abgelöst
    2. Die 1. Kanathanerkohorte wurde erst um 140 nach Straubing verlegt und nicht schon um 110 n.Chr.
    3. Der erwähnte Marcus Aurelius Silvanus (bitte den lateinischen Nominativ benutzen und nicht den Dativ) war niemals Mitglied der in Straubing stationierten Cohors I Flavia Canathenorum miliaria sagitariorum … sondern der Cohors quingenaria Canathenorum et Trachonitarum, die ab 176 n. chr. in Ad Flexum in der Nähe von Carnuntum stationiert war. Das war eine vollkommen andere Einheit.

    Eine genauere Recherche hätte dem Ganzen Beitrag sicher gut getan

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