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3 Jahre Bauzeit, 500 Jahre in Betrieb

Die Pont du Gard, der Aquädukt über den Fluss Gardon. Marcus Agrippa ließ ihn wohl Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. bauen.

Er war Teil einer 50 Kilometer langen Leitung, die das antike Nemausus mit Quellwasser versorgte. 800 bis 1000 Menschen haben seinerzeit an der Brücke gearbeitet und in drei Jahren Bauzeit mit Hammer und Meißel, Winkel und Wasserwaage, Kran und Flaschenzug eines der beeindruckendsten und fortschrittlichsten Brückenbauwerke geschaffen. Eine für die Römer nicht untypische “Wir machen das, weil wir es können”-Aktion. Denn die Aquäduktbrücke bekam seinerzeit kaum jemand zu sehen. Sie lag, anders als der Aquädukt von Segovia, abseits von Städten und Straßen mitten in der südgallischen Landschaft.

Der Bau des Aquäduktes war aber nicht nur eine technische Meisterleistung, sondern auch eine organisatorische Herausforderung. Die Bauzeit sollte kurz und die Kosten niedrig gehalten werden. Die Römer setzten weitgehend auf Rationalisierung und Standardisierung. Dennoch waren große Bauvorhaben oft auch Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und Wirtschaftsförderung für die örtliche Bevölkerung und die dortigen Unternehmen. So waren neben verschleppten Sklaven und dem römischen Militär vermutlich auch private Baufirmen ebenso beteiligt, wie Arbeitskräfte und Händler aus der Gegend.

Aus dem einen halben Kilometer entfernten Steinbruch schlugen Arbeiter mehrere Tonnen schwere Steinblöcke aus Muschelkalk heraus. Bereits dort wurden die Blöcke dann von Steinmetzen so bearbeitet, dass sie ohne Zwischenmörtel exakt an die vorgesehen Stelle im Aquädukt passten. Eingemeißelte Buchstaben und Nummern geben darüber Auskunft, wo genau die Steine verbaut werden sollten. Mit Lastkähnen transportierten Flußschiffer die Steinblöcke über die Gardone zur Baustelle. Durch Muskelkraft von Sklaven betriebene Kräne und Flaschenzüge hieften die Steinblöcke auf eine Höhe von fast 50m. Während das Brückenaquädukt erbaut wurde, schufteten gleichzeitig an anderen Stellen weitere Arbeiter und Handwerker, um ebenerdig Wasserrinnen zu mauern oder Tunnelschächte für den unterirdisch verlaufenden Teil der Wasserleitung zu graben.

Über den Architekten der Pont du Gard ist nichts bekannt. Wahrscheinlich stammte er aus der Pioniereinheit einer in der Gegend stationierten römischen Legion oder war ein von auswärts hinzugezogener Experte. Das Militär betrieb vielleicht auch den Steinbruch, aus dem das Baumaterial gewonnen wurde und wird sicher auch die Großbaustelle bewacht und für Ordnung gesorgt haben. Wo 1000 Männer mehrere Jahre mehr oder weniger abgeschieden von der Zivilisation arbeiten und leben müssen, wird es auch eine Barackensiedlung gegeben haben und vermutlich auch eine Art “Amüsierviertel” mit Tavernen, Huren und Glücksspiel. Man darf auch vermuten, dass der eine oder andere dem Glück beim Glücksspiel nachhelfen wollte. Bei der Bergung eines antiken Lastkahns im Hafen von Arelate fand man auch einen gezinkten Würfel.

Ungefähr 500 Jahre lang war der Aquädukt in Betrieb und hat private Haushalte und öffentliche Gebäude, Thermen und Brunnen mit Wasser versorgt. Im Mittelalter und später wurde die Pont du Gard als Straßenbrücke genutzt. Seit 1985 gehört sie zum UNESCO-Welterbe und ist heute eine der größten Touristenattraktionen Frankreichs. Ein Museum im Besucherzentrum informiert über die antiken Bautechniken und die Bedeutung und Verwendung von Wasser in der römischen Zeit.

Pont du Gard, Frankreich. Schätze der Welt - Erbe der Menschheit Folge 123.
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