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Es ist ein Welterbe

Das UNESCO-Welterbekomitee hat in seiner 39. Sitzung heute die antike Stadt Ephesus in die Welterbeliste aufgenommen.

In der römischen Kaiserzeit war die Metropole eine der bedeutendsten und mit vielleicht über 200.000 Einwohnern auch eine der größten Städte des Römischen Reiches. Zu den großen öffentlichen Bauten gehörte auch die sogenannte Celsus-Bibliothek. Sie wurde zwischen 100 und 110 n. Chr. von Gaius Iulius Aquila für seinen Vater, den Senator Tiberius Iulius Celsus Polemaeanus, gestiftet. Das Bibliotheksgebäude ist gleichzeitig auch die Grabstätte des Celsus. Aquila finanzierte den Bau und hinterliess 25.000 Denare, aus dessen Zinsen der Unterhalt der Bibliothek, die Bezahlung des Personals und der Kauf von Büchern finanziert werden sollte. Nach heutiger Kaufkraft entspricht dies etwa 250.000 Euro. Bei dem eher geringen Betrag vielleicht kein Wunder, dass das Testament so formuliert war, das man die späteren Unterhaltungskosten dem Steuerzahler aufdrücken konnte. Zumal die Kinder oder der Nachlassverwalter auch noch 2.000 Denare aus dem Stiftungskapital entnahmen, um den Bau ohne eigene Mittel vollenden zu können. Das jährlich am Geburtstag des Celsus seine Statuen an der Fassade der Bibliothek mit Kränzen zu schmücken waren, wird dagegen wohl kein so großes Loch in die Kasse gerissen haben.

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Fassade der Celsus-Bibliothek in Ephesus

Auch damals gab es übrigens schon Diskussionen über die Motive des Stifters zwischen Eigennutz und Gemeinwohl: “Die Bibliothek wurde auf Veranlassung des Celsus gebaut”, so ein zeitgenössischer Text.

"Der Sohn des Celsus zögerte nicht, diese aufwendig zu schmücken. Sieh die Mauern aus Marmor, sieh den Sarkophag des Celsus aus Marmor, sieh... Da fragt einer der Gäste den Bürger aus Ephesus: Was? Inschriften über das Leben des Celsus? Ein Sarkophag? Ist es eine öffentliche Bibliothek oder ein Denkmal des Celsus?" O tempora, o mores (Sinngemäß: Was für Zeiten, was für Sitten), wird wohl mancher gedacht haben.
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