Germanien·Militär·Römer

Koblenz Ehrenbreitstein

Koblenz Ehrenbreitstein: Stadtteil, Berg und Festung auf Koblenz rechter Rheinseite. Kein anderer Ort in Deutschland war so lange durchgehend eine militärische Befestigung.

Bereits 1000 v. Chr. stand hier eine keltische Fliehburg, in der Spätantike ein römischer Burgus. Der letzte militärische Nutzer war die Wehrmacht, die hier Flakstellungen und einen Luftschutzbunker einrichteten. Heute dienen Festung und Festungspark Ehrenbreitstein als Ausflugsziel, Kulturzentrum und Museum.

Im Haus der Archäologie auf Ehrenbreitstein werden geborgene Schätze von Mittelrhein und Mosel gezeigt. Einzigartig ist die im unweit entfernten Kastell Niederbieber gefundene Reiterstandarte römischer Hilfstruppen. Der sehr gut erhaltene Drachenkopf des Feldzeichens gehörte wohl zu einer Abteilung niedergermanischer Aufklärer (Exploratorum Germanicorum Divitiensium) die hier seit spätestens 238 n. Chr. stationiert waren. Aus der Frühzeit des Koblenzer Kastells stammt ein anderer herausragender Fund. Eine kostbare Gürtelschnalle aus Bronze mit farbigen Emaille Einlagen. Sie war Teil eines römischen Militärgürtels aus dem 2. Jahrhundert. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt das Tintenfässchen, dass im heutigen Bad Breisig gefunden wurde. Ansonsten bietet das Festungsgelände ein paar schöne Motive und einen tollen Blick über Koblenz.

Das römische Koblenz in Kürze: Um 55 v. Chr. setzen römische Legionäre hier zum ersten Mal ihre genagelten Sandalen auf germanischen Boden, als sie zwischen Koblenz und Andernach eine Brücke über den Rhein schlugen. Einige Jahre später wurde ein erstes Militärlager am Zusammenfluss von Mosel und Rhein errichtet, das Castellum apud Confluentes, “Kastell bei den Zusammenfließenden”. Wahrscheinlich wurde hier im Jahr 16 Germanicus Tochter Drusilla geboren. Etwa 100 Jahre später wurde auf dem Gebiet eines heutigen Koblenzer Stadtteils das Kastell Niederberg errichtet. Hier dienten römische Hilfstruppen aus dem Alpenraum, die zum Schutz des Limes hierher kommandiert waren. Die 7. teilberittene Raeter-Kohorte fand 259/260 ihr Ende im Abwehrkampf gegen die Franken. Sie waren ihren Kameraden in Niederbieber zu Hilfe geeilt und wurden bei der Verteidigung des Kastells aufgerieben. Im Oktober 1814 entdeckte man bei Ausgrabungen das Skelett des Feldzeichenträgers an der Stelle des Fahnenheiligtums des Kastells. Schwert und Standarte lagen noch neben ihm. Die Römer räumten das rechtsrheinische Gebiet und befestigten ein Areal auf dem Gebiet der heutigen Koblenzer Altstadt. Bis in das frühe 5. Jahrhundert ist die Präsenz der Römer in Koblenz und Ehrenbreitstein belegt.

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Verschiedene Feldzeichen im Fahnenheiligtum einer Garnison. Sie waren zusammen mit der Truppenkasse im rückwärtigen Bereich des Stabsgebäudes (Principia) eines römischen Kastells untergebracht. Hier aus dem Kastell Saalburg in Hessen.
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