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Agrigentum – Tal der Tempel

“Sie speisen, als müssten sie morgen sterben, und bauen, als könnten sie ewig leben“, schrieb der Philosoph Empedokles über seine Mitbürger. Die Bewohner sind lange fort, ihr bauliches Erbe bestaunen heute zahlreiche Besucher im Tal der Tempel.

Rom war noch ein Dorf und Sizilien von Griechen besiedelt, als die Stadt Akragas 582 vor Chr. in einer zweiten Welle der griechischen Kolonisation gegründet wurde. Im Kampf gegen andere griechische Städte auf Sizilien gewann Akragas schnell an Bedeutung. Besonders der Sieg über die von Terillos zu Hilfe geholten Karthager bei Himera bescherte der Stadt immense Geldmittel. Sie stieg zur mächtigsten und mit ca. 200.000 Einwohnern auch zur bevölkerungsreichsten Polis nach Syrakus auf. Diese Bedeutung fand ihren Ausdruck unter anderem in einer Reihe monumentaler Tempel, die im Verlauf des 5. Jahrhunderts vor Chr. entlang der südlichen Stadtmauer auf einem Höhenzug gebaut wurden. Zehntausende Kriegsgefangene errichteten die Siegestempel, die die Silhouette der Stadt vom Meer aus gesehen wie Trophäen schmückten. Heute sind die Überreste dieser Tempel bei Besuchern als “Tal der Tempel” bekannt, weil sie unterhalb der moderne Stadt Agrigent liegen.

Der Rest der Geschichte von Akragas ist schnell erzählt. Das Kriegsglück zwischen den griechischen Städten, den Karthagern und später den Römern wechselte ein paar mal hin und her. Im Jahr 227 vor Chr. wurde die Insel zwischen den drei Meeren die erste römische Provinz. Als wenig später Syrakus und Akragas erobert wurden, war ganz Sizilien in römischer Hand. Das blieb dann auch mehrere hundert Jahre so, bis ab 439 nach Christus erst die Vandalen und danach die Ostgoten Sizilien eroberten. In der Zwischenzeit wurde Akragas unter Kaiser Augustus in Agrigentum umbenannt und neue Siedler zogen ein. Einige der zerstörten Tempel wurden wieder aufgebaut und römischen Göttern gewidmet. Von der Pax Romana profitierte auch Sizilien und in der Kaiserzeit entwickelte sich Agrigentum erneut zu einer wohlhabenden und bedeutenden Stadt. Heute sind die Überreste der griechisch-römischen Heiligtümer im Tal der Tempel UNESCO-Weltkulturerbe und bescheren der archäologischen Stätte von Agrigent zahlreiche Besucher.

Die aus Kalkstein errichteten und einst mit importierten Marmorputz aus Griechenland verkleideten Tempel sind empfindlich gegenüber Umwelteinflüssen. Ab dem Jahr 2005 wurden sie mit Hilfe von Fördergeldern der Europäischen Union weitgehend saniert. Die heutigen Namen der Tempel gehen größtenteils auf die Zeit der Renaissance zurück. Ihre Zuordnung zu griechischen oder römischen Göttern ist, wie z.B. beim beim Herkulestempel, historisch verbürgt oder teils, wie beispielsweise beim Heiligtum der chthonischen Gottheiten, aufgrund der dort gefundenen Weihegeschenke rekonstruiert. Andere Zuordnungen, wie z.B. beim Heratempel oder beim Concordiatempel, sind unbestätigt oder willkürlich gewählt.

Betritt man den archäologischen Park von Westen her, erreicht man zuerst das Trümmerfeld des Tempels des Olympischen Zeus und der Dioskuren sowie das Heiligtum der chthonischen (erdverbundenen) Gottheiten wie Demeter oder Hades. Im Ostteil der Anlage stehen die Tempel des Herkules, der Concordia und der Hera. Beim Tempel des olympischen Zeus waren 8m hohe Figuren von Giganten, die sogenannten Telamone, verbaut, welche die Last des Dachgebälks trugen. Die Telamone hatten karthagische Züge und symbolisierten die im Krieg unterlegenen Barbaren. Eine Nachbildung befindet sich im Parkgelände, das Original steht im Archäologischen Museum von Agrigent. Eine 3D-Animation der Firma Altair4 Multimedia zeigt, wie Agragas und die Tempel vor ihrer Zerstörung ausgesehen haben könnten.

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