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Antikythera Ausstellung in Athen und Basel

"Statuen der griechischen Helden, stilvolle Lampen, Möbel von erlesener Schönheit, feinstes Geschirr: Publius Demitrios liefert Designerstücke für allerhöchste Ansprüche. Zu meinen Kunden zählen die vornehmsten Familien Roms!"

Klappern gehört zum Handwerk und das war vor 2000 Jahren im internationalen Kunsthandel auch schon so.

In diesem Fall ging die Lieferung unseres römischen Händlers jedoch 70 v. Chr. vor der griechischen Insel Antikythera unter. Das Schiff kam vermutlich aus Pergamon oder Ephesos und wollte wohl in den Golf von Neapel. Sein Ziel hat das Handelsschiff nicht erreicht, es ging mit Mann und Maus und Ladung unter. Im Jahr 1900 entdeckten Schwammtaucher in gut 40 Metern Tiefe das Wrack des Schiffes und bargen nach und nach die luxuriösen Stücke. Teilweise hat sie der Meeresboden gut konserviert, teilweise sind vor allem Marmorstatuen vom Salzwasser zerfressen. Doch bei aller Wertschätzung griechischer Kunst, die griechische Lebensart lehnten viele Römer ab. Zum ersten Mal wurden Objekte des Antikythera Schatzes jetzt außerhalb Griechenlands gezeigt: in der Ausstellung “Der versunkene Schatz” im Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig. Am 27. März 2016 endet die Sonderschau.

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Farben und Licht, Geräusche und Animationen bilden den atmosphärischen Rahmen der Ausstellung "Das Schiffswrack von Antikythera" im Antikenmuseum Basel.

Ein mittlerweile ganz bekanntes Objekt aus dem Schiffswrack wurde aber nicht an das Baseler Museum ausgeliehen, der sogenannte Mechanismus von Antikythera. Die Schwammtaucher entdeckten seinerzeit nicht nur Kunstgegenstände, sondern auch einen Klumpen zusammenkorrodierter Metallteile. Erst später erkannte man darin Zahnräder und Zifferblätter. Begriffe von einer astronomischen Uhr oder eines antiken Computers machten die Runde. Heute sind einige Rätsel gelöst und die Wissenschaftler sind sich einig, dass der Antikythera-Mechanismus kein bloßes Planetarium, sondern ein analoger Computer zur Vorhersage von Sonnen- und Mondfinsternissen ist. Die Zeiträume der olympischen Spiele ließen sich damit planen. Wofür man das Gerät konkret verwendet hat und welches Genie es erschuf, darüber wird aber nach wie vor spekuliert.

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Das Archäologische Nationalmuseum in Athen ist seit 1901 die Heimat der Antikythera Funde. Dem Mechanismus von Antikythera ist seit einigen Jahren mit Unterstützung der Schweizer Uhrenmanufaktur Hublot ein eigener Saal gewidmet.

Das Antikythera-Gerät ist das einzige bekannte Stück antiker Zahnradmechanik und dabei in Technik und Herstellungsweise so anspruchsvoll, wie man es für dieses Zeitalter nicht vermutet hätte. Die drei größten Teile der über 80 Fragmente sind in einer Abteilung des Archäologischen Nationalmuseums in Athen ausgestellt. Das Wissenschaftsmagazin Nature hat im Jahr 2008 eine Dokumentation über das Antikythera Mechanism Research Project gedreht.

Diese Filmdokumentation aus dem Jahr 2008 berichtet über die spannende Geschichte der Entdeckung und Enträtselung eines uralten Rechengeräts. Der Mechanismus von Antikythera gilt als eines der größten Rätsel der Archäologie: Die vor 2100 Jahren hergestellte Zahnradmaschine soll einst für die alten Griechen Sonnen- und Mondfinsternisse exakt berechnet haben. Doch auch für die Planung sportlicher Großereignisse könnte der Mechanismus getaugt haben.

Beitrag 4/4 von meiner Athen-Reise Ende Oktober 2015.

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