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Der Kopf von dem Augustus sein Pferd

Im Berliner Gropius Bau zeigt die Sonderausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ eine Art best of der archäologischen Funde und Forschung aus den letzten 20 Jahren. Auch der sogenannte Pferdekopf von Waldgirmes ist dabei.

Der vergoldete bronzene Pferdekopf, der einst wohl zu einem Reiterstandbild Kaiser Augustus gehört hat, löst vom 7. November bis 17. Dezember 2018 die Himmelsscheibe von Nebra als Ausstellungshighlight ab. Die hessische Leihgabe für die Berliner Ausstellung soll aber einmalig sein. Danach bleibt das gute Stück dauerhaft im Saalburg-Museum ausgestellt, sehr zum Verdruss des Fördervereins Römisches Forum Waldgirmes. Dort würde man gerne den Pferdekopf am Fundort präsentieren.

Die Berliner Archäologieausstellung ist thematisch um die vier Themen Mobilität, Austausch, Konflikt und Innovation angelegt. Dazu können die Römer eine Menge beitragen, und so steht bereits im Lichthof des Gropius Baus die nachempfundene Hafenmauer des römischen Köln. Zusammen mit den fast 2000 Jahre alten Eichenbohlen der 3,5 Meter hohen Spundwand werden tausende Scherben aus dem Hafenbecken präsentiert.

In der Mitte der Ausstellung wird in einer Vitrine der Kopf von Augustus seinem Pferd gezeigt. Der Pferdekopf von Waldgirmes wurde 2009 auf einem Feld bei Lahnau-Waldgirmes geborgen. Heute ist Waldgirmes ein 3000 Einwohner-Dorf im Mittelhessischen, damals ein aufstrebender Verwaltungsstandort der Römer in Germanien. Vermutlich im Jahre 7 wurde die Reiterstatue aufgestellt und zwei Jahre später zerstört. Wahrscheinlich war es in der Siedlung nach der Varusschlacht im Teutoburger Wald zu Unruhen und Zerstörungen gekommen. Der Fund überdauerte die Zeit auf dem Boden eines Brunnenschachtes.

Der Pferdekopf zeigt auf dem Nasenrücken eine Platte mit der Darstellung des römischen Kriegsgottes Mars, an den Seiten sind Siegesgöttinnen angebracht. Auf der Stirn befand sich ein jetzt herausgebrochenes Medaillon des obersten römischen Gottes Jupiter. Das Zaumzeug des Pferdes ist reich verziert, unter anderem mit sechs Schmuckscheiben. Die Skulptur ist künstlerisch hervorragend gearbeitet und wohl in einer Werkstatt im antiken Italien entstanden.

Das 15 Kilo schwere und knapp 60cm lange Stück wurde von einer Gutachterin auf einen Wert von 1,6 Millionen Euro geschätzt. Davon musste das Land Hessen 800.000 Euro an den Finder, einen hessischen Landwirt, zahlen. Das ging nicht ohne Rechtsstreit, nachdem das Land zunächst 48.000 Euro Finderlohn angeboten hat. Wer künftig einen solchen herausragenden Fund macht, wird aber leer ausgehen. Das hessischen Denkmalschutzgesetz wurde in der Zwischenzeit geändert.

Die Ausstellung im Gropius Bau zeigt aber noch andere schöne Stücke aus römischer Zeit. Neben Funden der Römerschlacht am Harzhorn und der Zierscheibe eines römischen Feldzeichens aus dem Kastell Niederbieber u.a. den Nachbau einer Kline. Auf diesen Liegen mit aufgebogenem Kopf– und Fußende wurde gespeist und geruht, sie dienten aber auch zur Aufbahrung von Toten und wurden häufig zusammen mit diesen verbrannt. Dies geschah auch vor fast 2000 Jahren mit dem Original, nach dem die ausgestellte Kline in den Jahren 2013 bis 2015 aufwendig rekonstruiert wurde. Das Original stammt aus einem Grab der römischen Nekropole von Haltern am See, dem antiken Aliso. Wie der Verwaltungssitz Waldgirmes war das Militärlager und Logistikzentrum Haltern ein Ort rechts des Rheins. Ein Gebiet das die Römer entgegen ihrer Planungen nicht zur Provinz machen könnten.

Die halterner Kline aus augusteischer Zeit war aufwändig mit zahlreichen aufgesetzten Knochenschnitzereien geschmückt. Sie zeigen pflanzliche und figürliche Motive. Durch die Verbrennung sind die Originale zersprungen, verformt und teilweise ganz zerstört. Aus den Fragmenten und mittels Vergleichsfunden wurden am Computer virtuelle Modelle erzeugt, die mit einem 3-D-Drucker gedruckt und anschließend von Hand bemalt wurden. Ein Video der Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe gibt einen Einblick.

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