Römer·Zivil

Antiquarium Sammlung antiker Büsten

Das Antiquarium ist der älteste erhaltene Raum der Münchner Residenz und gleichzeitig einer der größten und prächtigsten Renaissancesäle nördlich der Alpen. Außerdem beherbergt er eine Sammlung antiker Büsten und Statuen.

Für diese Sammlung antiker Skulpturen ließ Herzog Albrecht V. den Saal zwischen 1568 und 1571 errichten. Seit 1920 ist der Bau als Museum auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Heute umfasst die Sammlung rund 300 Stücke.

Die halb­run­den Ni­schen an den Wänden nehmen Ko­pien be­deu­ten­der Stand­fi­gu­ren der An­tike und Re­nais­sance auf und sind durch Stehleuchten illuminiert. In den da­zwi­schen­lie­gen­den Wand­fel­dern be­fin­den sich auf ge­staf­felt an­ge­ord­ne­ten Kon­so­len die Büs­ten, bei denen es sich zum gro­ßen Teil um rö­mi­sche Ko­pien grie­chi­scher Ori­gi­nale han­delt. In der oberen Reihe stehen Frauenfiguren, in der unteren die Männer. Es sind die Machthaber des Römischen Reiches von Gaius Julius Cäsar bis zu den späten Soldatenkaisern.

Das 70 Meter lange Antiquarium wird gekrönt von einem Tonnengewölbe, das Albrecht und seine Nachfolger prachtvoll ausmalen ließen. Die Deckengemälde zeigen zentral die Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Nächstenliebe, die Kardinaltugenden Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit sowie viele gute Charaktereigenschaften mehr. Sie werden umrankt von Tier- und Pflanzenmotiven. Mir persönlich zu überladen. Ein schöner weißer Anstrich hätte es auch getan. Dazu klassisch ein roter halbhoher Sockelanstrich an den Seitenwänden.

Die antiken Büsten im Antiquarium bestehen zu zwei Drittel aus Köpfen die auf Renaissancebüsten aus farbigen Brecciegestein montiert sind. Auf großen Tafeln stehen in goldenen Lettern die Namen der römischen Kaiser.

Die Fachwelt hat die Sammlung weitgehend ignoriert. Zum einen sind die Büsten schlecht zugänglich, mitunter erschweren Farbanstriche die Klärung der Herkunft und bereits früh stand der Verdacht im Raum, dass sich die Aufkäufer im Auftrag des Herzogs das eine oder andere mal haben Fälschungen andrehen lassen. Zum anderen strahlte die Antikensammlung der Münchener Glyptothek stets heller und zog neben Besuchern auch das Interesse der Fachwelt und Wissenschaft auf sich.

Einen wissenschaftlichen Zugang zu den Objekten des Antiquarium unternahm in der 1970er Jahren die Archäologin Ellen Weski. Im Jahr 1987 erschien der von ihr und Heike Frosien-Leinz herausgegebene 6 Kilo schwere und 500 Seiten umfassenden Doppelband “Das Antiquarium der Münchner Residenz: Katalog der Skulpturen”. Spätestens seit dann weiß man, dass die Namensschilder der Machthaber des Römischen Reiches nicht immer zu den Büsten passen.

Vor der Beschriftung “Maximinus Thrax Miccae Fil. Imp. Caes.” steht eine Büste, die einen Griechen aus antoninischer Zeit zeigt, aber nicht den ersten Soldatenkaiser Gaius Iulius Verus Maximinus, genannt Maximinus Thrax. Bekannt wurde der Mann, der als Junge in Thrakien noch das Vieh seiner Familie hütete und dann eine steile Karriere im römische Heer absolvierte, in jüngster Zeit durch die archäologischen Funde der Schlacht am Harzhorn. Vor “Titus Vespasianus Imp. Caesar” steht tatsächlich eine Büste des römischen Kaiser Titus Vespasian. Ihm und seinem Vater Vespasian verdanken die Römer und wir das Kolosseum. Er war der zweite römische Kaiser der flavischen Dynastie. Für seinen Sieg über die Aufständischen in Judäa und die Eroberung Jerusalems wurde er in Rom mit einem Triumphzug sowie dem Titusbogen auf dem Forum Romanum geehrt.

Antiquarium im Residenzmuseum. Informationen für Besucher der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.

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