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Pergamonmuseum – Das Panorama

Die Römer sind zwar nicht bis Berlin gekommen, das Erbe der Antike findet sich im Spree-Athen aber an vielen Orten. Auch in einem temporären Gebäude, dass als Pergamonmuseum – Das Panorama firmiert.

Nachdem Pergamon im Jahr 133 vor Christus unter römische Herrschaft geraten war, erlebt die griechische Stadt in der römischen Provinz Asia 200 Jahre später unter den Kaisern Trajan und Hadrian einen boomartigen Aufschwung. Kaiser Hadrian erhob die Stadt in den Rang einer Metropolis und zeichnete sie hierdurch vor den Konkurrentinnen Ephesos und Smyrna aus.

Das 360 Grad Panorama von Yadegar Asisi nimmt den Besucher mit nach Pergamon in das Jahr 129 nach Christus. Eingebettet in die Terrassen der Akropolis auf einem 300 Meter hohen Berg fügen sich die imposanten Bauwerke in die hügelige Landschaft ein. Links sieht man die Zuschauerränge des griechischen Theaters und den Dionysostempel, darüber das Trajaneum, den Tempel für den römischen Kaiser Trajan und den Gott Zeus Philios. Die Stützmauern sind noch eingerüstet, Kräne stehen auf der Baustelle. Auf der rechten Seite des Burgberges erkennt man das Athenaheiligtum, dahinter die zweistöckige Bibliothek Pergamons. Ganz rechts im Bild der vermutlich dem Zeus und der Athena geweihte Pergamonalter, an dem gerade eine Opferzeremonie stattfindet. Daran anschließend, oben nicht mehr im Bild zu sehen, liegt die römische Neustadt.

Das nach wissenschaftlichen Kriterien für die aktuelle Ausstellung überarbeitete Panorama aus dem Jahr 2011 hat einen Umfang von 104 Metern und eine Höhe von 30 Metern. 35 bedruckte Textilbahnen aus Polyester sind miteinander vernäht. Insgesamt ergibt sich so eine Bildfläche von 3100 Quadratmetern. In der Mitte der Halle steht der Besucherturm mit drei Stockwerken in sechs, zwölf und fünfzehn Meter Höhe. Er ermöglicht einen Rundumblick auf das antike Pergamon und seine Umgebung. Die Lichtinstallation simuliert den Wechsel von Tag und Nacht, ein Klangteppich unterlegt den Blick auf Pergamon mit den Hintergrundgeräuschen einer antiken Stadt. Yadegar Asisi hat bereits mehrere 360 Grad Panoramen mit historischen Themen realisiert, so z.B. Rom 312 das die Stadt Rom in der Spätantike darstellte.

In der Ebene am Fuße des Stadtberges entwickelt sich die römische Neustadt von Pergamon. Sie wurde nach einem Stadtplan angelegt, dessen Straßenraster auf die Achse des Trajantempels auf dem Burgberg ausgerichtet war und zusammen mit dessen Bau geplant wurde. Gut erkennbar sind die Wagenrennbahn, das Amphitheater und das Bühnentheater, Hotspots der römischen Entertainment-Industrie in einer antiken Stadt. Unter Kaiser Hadrian wurde das Asklepieion von Pergamon, ein rund zwei Kilometer westlich der Akropolis gelegener Heiligtumkomplex für den griechischen Gott der Heilkunst Asklepios, so prachtvoll ausgebaut, dass man es als siebentes Weltwunder betrachtete. Auf dem Panorama sieht man es hinter dem römischen Theater.

Die Szene am Pergamonaltar schildert Andreas Kilb in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung so: Am Pergamonaltar fließt Blut. Es tropft auf die Umrandung des Opfersteins, auf dem die Innereien der geschlachteten Tiere brennen, es färbt die Stufen, die zu der Weihestätte hinaufführen, und bildet rote Lachen auf den Bodenplatten des Vorplatzes. Dort werden gerade zwei Schafe zerteilt. Ein Ochse wird mit Stangen und Stricken zur Schlachtung getrieben. Beißender Rauch steigt vom Altarfeuer in den Himmel. Von unten nähert sich eine Dionysienprozession der weitläufigen Anlage.

Bevor die Besucher die Panoramahalle betreten, durchqueren sie einen Bereich mit antiken Statuen und Büsten, die aus dem Pergamonmuseum ausgeliehen sind. Die Gruppe von Frauenstatuen aus Marmor standen in antiken Zeiten auf der Terrasse des Pergamonaltars. Sie waren verdienten Bürgerinnen Pergamons gewidmet. Die Lichtanlage taucht eine der weiblichen Gewandstatuen in farbiges Licht. Eine Reminiszenz an die originale Farbigkeit der Statuen. Nur unsere Vorstellung von den Statuen und Bronzen der Antike ist durch “erhabenes Weiß” geprägt. Im Pergamonmuseum – Das Panorama sind rund 80 Kunstwerke aus der antiken Metropole Pergamon zu sehen, darunter vor allem der originale Telephos-Fries des Altars. Die Gründung der Stadt führen die Pergamesen auf Telephos, den Sohn des Herkules zurück. Ihren mythischen Ahnherren haben sie auf einem Fries des Pergamonaltars dargestellt. Eine bildliche Darstellung des Mythos habe ich in einem der Häuser in Herculaneum gefunden.

Während sich die Besucher am Pergamonmuseum – Das Panorama erfreuen, wird das Pergamonmuseum saniert. Der Bereich mit dem römischen Markttor von Milet ist wie gewohnt zu sehen. Der Teil mit dem Pergamonaltar ist seit 2014 geschlossen, die Wiedereröffnung ist nach erheblichen Verzögerungen frühestens für 2023 geplant. Wenn man das so in Berlin sagt, kann es auch mal länger dauern.

Das Pergamon-Panorama von Yadegar Asisi

Die Museen auf der Berliner Museumsinsel: Altes Museum, Neues Museum, Alte Nationalgalerie, Bode-Museum, Pergamonmuseum, Pergamonmuseum – Das Panorama (2017-2024), Kolonnadenhof (öffentlicher Garten) und James-Simon-Galerie (zukünftiges Besucherzentrum).

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