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Hier reingehen: James-Simon-Galerie

Die Römer sind zwar nicht bis Berlin gekommen, das Erbe der Antike findet sich im Spree-Athen aber an vielen Orten. Auch in der James-Simon-Galerie, dem neuen zentrale Eingangsgebäude der Museumsinsel, einem Unesco-Weltkulturerbe.

“Berlins Antwort auf die Louvre-Pyramide”, Tor zu Deutschlands schönster Kulturlandschaft, “Akropolis für Berlins Mitte”, “teuerste Garderobe der Geschichte”, Spree-Athen at its best: Am Wochenende vom 13./14. Juli 2019 wurde die James-Simon-Galerie für den Publikumsverkehr geöffnet. Rund 40.000 Besucher sahen sich das vom britischen Architekten David Chipperfield entworfene Gebäude an. Bei Feuilleton und Besuchern kommt das Gebäude überwiegend gut an.

Die James-Simon-Galerie ist Besucherzentrum und Empfangsgebäude für die gesamte Museumsinsel. Hier gibt es Eintrittskarten für die Museen, Informationen zu allen Häusern, Garderobe, Museumsshop, ein Auditorium und einen Raum für Sonderausstellungen. Im unteren Bereich kommt man zur Archäologischen Promenade, die nach ihrer kompletten Fertigstellung irgendwann das Gebäude unterirdisch mit vier der fünf Museen verbinden wird. Außerdem gibt es auf der Spreeseite der James-Simon-Galerie noch ein Café und Restaurant.

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Im Mezzanin-Geschoss unter dem Eingang liegen die Garderobe und der Museumsshop

Die James-Simon Galerie gliedert sich in drei Hauptgeschosse, ein zwischen den oberen Ebenen eingeschobenes Mezzaningeschoss und ein Untergeschoss. Außen edel-steifer Klassizismus, innen glattgeschalter Ortbeton und französisches Walnussholz. Hohe Räume und niedrige Decken wechseln sich ab.

Im Durchgang zum Neuen Museum findet der Besucher das erste Ausstellungsstück des Hauses: einen von der Decke hängenden, schlanken Kiefernpfahl. Unten ist er angespitzt wie ein Bleistift, denn er ist einer der zahlreichen Pfähle, die in den schlammigen Untergrund der Museumsinsel gerammt werden mussten, um die Gebäude stabil zu tragen. Einst stützte er den Packhof, ein Zollgebäude und Warenlager, das früher an dieser Stelle stand.

Der Namensgeber James Henry Simon war ein Unternehmer im Berlin der wilhelminischen Ära, Förderer der Berliner Museen, Gesprächspartner von Kaiser Wilhelm II. sowie Gründer und Finanzier zahlreicher wohltätiger Einrichtungen. Unter dem Titel Der Mann, der Nofretete verschenkte – James Simon, der vergessene Mäzen haben ZDF/3sat 2012 eine Dokumentation über ihn gedreht, die jetzt wieder gezeigt wird.

Die Geschichte des Mäzenatentums führt zurück in die römische Zeit. Urförderer der Künste und Namensgeber des Wortes Mäzen war Gaius Maecenas. Er diente dem römischen Kaiser Augustus als politischer Berater und unterstützte die jungen Dichter Properz, Vergil und Horaz.

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Café und Restaurant der James-Simon-Galerie mit Außenterrasse zum Kupfergraben

10 Jahre wurde an der James-Simon-Galerie gebaut, länger als geplant. Über 1000 Pfähle mussten noch in den weichen Boden auf der Museumsinsel gerammt werden, um das Gebäude vor dem Absacken zu schützen. Kosten sollte der neue Zentraleingang ursprünglich 71 Millionen Euro, am Ende waren es dann 134 Millionen Euro. Die zahlt der Bund aus Steuergeldern, denn Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte 1999 für die vollständige Übernahme künftiger Bau- und Sanierungskosten der Museumsinsel durch den Bund gesorgt – und uns damit alle zu Mäzenen gemacht.

Je suis James Simon. Ick bin Jakob.

Die Museen auf der Berliner Museumsinsel: Altes Museum, Neues Museum, Alte Nationalgalerie, Bode-Museum, Pergamonmuseum, Pergamonmuseum – Das Panorama (2017-2024), Kolonnadenhof (öffentlicher Garten) und James-Simon-Galerie (Besucherzentrum).

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