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Die schöne Viktoria von Fritz Schaper

Die Viktoria von Fritz Schaper hat eine berühmte Urahnin: in der römischen Mythologie war Victoria die vergöttlichte Personifikation des Sieges. Ihre Nachfolgerinnen im Deutschland des 19. Jahrhunderts waren Symbole der Heldenverehrung. Zwei Jahrhunderte später sind die Siegesgöttinnen nur noch schöne Motive für Fotografen.

Als Victoria von Calvatone oder Victoria von Brescia sind berühmte Statuen der römischen Siegesgöttin bekannt. Ihre Attribute sind die Trophäen des Sieges, der Lorbeerkranz und der Palmzweig. Als geflügeltes Wesen symbolisiert Victoria die Flüchtigkeit von Sieg und Niederlage. Mit dem Aufstieg des Christentums und dem Niedergang der römischen Religion im 6. Jahrhundert endete auch die politische Rolle der Victoria. Eine erneute Konjunktur erlebte die Siegesgöttin in Deutschland im 19. Jahrhundert. Nationalismus, Kriege und Siege bescherten den Berlinerinnen und Berlinern u.a. die Viktoria auf der Siegessäule, als Lenkerin der Quadriga auf dem Brandenburger Tor, im Berliner Schloss (heute in der Alten Nationalgalerie) am Mehringplatz in Kreuzberg und im Zeughaus (heute Deutsches Historisches Museum). Hier stand und steht die Viktoria von Fritz Schaper.

Kaiser Wilhelm I. ließ das Berliner Zeughaus vom Arsenal in eine »Ruhmeshalle der brandenburgisch-preußischen Armee« umwandeln und Schapers Viktoria trug fortan zur Heldenverehrung und Heldenerziehung bei. Die Jugend, die schulklassenweise durch das Zeughaus geführt wurde, sollte hier ihr Vorbild finden. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges war das Zeughaus »Bildungsstätte« für die junge Generation, Wallfahrtsort für die Sedan- und Kriegervereine und Repräsentationsstätte der Hohenzollern, heißt es in einem Beitrag auf der Homepage des Deutschen Historischen Museums.

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Marmorstatue der Siegesgöttin Viktoria

Wer heute das Zeughaus-Foyer des Deutschen Historischen Museums betritt, erblickt gleich die fast vier Meter hohe Marmorstatue der Siegesgöttin Viktoria. Mit ihren weit gespannten Flügen und dem wehenden Gewand ist sie immer noch eine beeindruckende Erscheinung. Der in Siegerpose ausgestreckte Arm fehlt, er ging im Zweiten Weltkrieg verloren und wurde bei der Aufstellung in der Eingangshalle des Deutschen Historischen Museums nicht mehr nachgestaltet und angefügt. Das sollte man nachholen. Unsere Demokratie wird daran keinen Schaden nehmen. Sie verkraftet ja auch Arno Brekers Skulptur “Schwertträger”, die es von Hitlers Neuer Reichskanzlei über einen Garten in Heikendorf ins Deutsche Historische Museum geschafft hat.

Unter den Augen der Viktoria siegt heute kein Herrscher mehr, nur noch die Besucherordnung: Wat steht da uff’n Schild? Keene Taschen und Rucksäcke mitnehm …

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Besucher und Besucherordnung

Exkurs

Und hier noch die Berliner Schwestern der Viktoria von Fritz Schaper: die “Goldelse” von Friedrich Drake auf der Siegessäule. Sie erinnern an die Siege der Deutschen Einigungskriege und wurden Ende der 1930er Jahre vom Königsplatz in den Tiergarten versetzt. Am Mehringplatz, dem im Krieg zerstörten ehemaligen Belle-Alliance-Platz, steht die Viktoria von Christian Daniel Rauch auf einer kleinen Säule. Sie erinnert an die Befreiungskriege und den Sieg der Verbündeten über Napoleon bei Waterloo, ebenso wie die Viktoria in der Quadriga von Johann Gottfried Schadow auf dem Brandenburger Tor. Die lebensgroße, dem Sieger den Kranz zuwerfende Viktoria von Christian Daniel Rauch stand einst im Weißen Saal des Berliner Schlosses und versinnbildlichte die militärische Stärke Preußens. Heute steht sie in der Alten Nationalgalerie.

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