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Das Depot im Kreuzberg in Berlin

Berlin-Kreuzberg ist nicht nur der Inbegriff des Berliner Lebens zwischen Bergmann-Kiez und Kottbusser Tor. Kreuzberg ist auch ein Berg in Berlin. Und im Kreuzberg existiert ein Depot mit Skulpturen im Stil der Antike.

Im Viktoriapark in Berlin befindet sich auf einem Berg das Nationaldenkmal für die Befreiungskriege. Das gusseiserne Ehrenzeichen gedenkt der Soldaten der preußischen Armee, die in den Befreiungskriegen gegen Napoleon von 1813 bis 1815 gefallen sind. Berlins bedeutendster Baumeister Karl Friedrich Schinkel hat das Denkmal entworfen, die Skulpturen wurden von den Bildhauern Christian Daniel Rauch, Friedrich Tieck und Ludwig Wichmann ausgeführt. Die Einweihung des Denkmals erfolgte am 30. März 1821. Bei dieser Gelegenheit erhielt der Hügel seinen heutigen Namen: Kreuzberg.

Nur wenige der Touristen und Einheimischen, die hier den Sonnenuntergang genießen, kennen die Geschichte hinter dem Denkmal. Noch weniger Menschen wissen, was unter dem Denkmal auf dem Kreuzberg ist: ein Depot mit Skulpturen im Stil der Antike.

An den zwölf Außenseiten des Nationaldenkmals stehen zwölf gusseiserne Genien, im Gestus antiker Helden- und Göttergestalten. Diese Schutzgeister aus der römischen Religion symbolisieren jeweils eine Schlacht der Befreiungskriege. Die Porträts der Genien weisen Ähnlichkeiten mit preußischen Heerführern und Mitgliedern des Königshauses auf. Im Depot unter dem Kreuzberg sind Kopien der Genien des Nationaldenkmal, die Gussformen der Pferde der Quadriga auf dem Brandenburger Tor und das Original des Münzfrieses eingelagert.

Der Genius in der antiken Rüstung mit einem Lorbeerkranz in der Hand erinnert an die Schlacht an der Katzbach im August 1813. Er soll Ähnlichkeit mit dem jungen Blücher haben, jenem General, der später als “Marschall Vorwärts” bekannt wurde. Die Skulptur hat der Schadow-Schüler Ludwig Wilhelm Wichmann geschaffen. Von ihm stammen weiter Skulpturen im klassizistischen Stil, wie das Denkmal für den Archäologen und Kunstwissenschaftler Johann Winckelmann oder die Figurengruppe Nike richtet den verwundeten Krieger auf, der auf der Schlossbrücke in Berlin steht. Von Christian Daniel Rauch, dem wohl begabtesten Schüler von Schadow, stammen auch verschiedene Viktorienstatuen in Berlin. Eine der wohl bekanntesten Darstellungen der Siegesgöttin, die geflügelte Victoria von Brescia, erinnert ebenfalls an eine der Schlachten der Befreiungskriege. Sie steht im tschechischen Přestanov.

Außer den Statuen im antiken Stil wird im Depot unter dem Kreuzberg das Original des sogenannten Münzfrieses aufbewahrt. Dabei handelt es sich um ein Relief aus Sandstein, das der Bildhauer Johann Gottfried Schadow nach einem Entwurf von Friedrich Gilly geschaffen hat. Es erzählt in antikischer Figuration von der Wirtschaftsgeschichte: dem Schmelzen von Metallen, der Erfindung des Geldes, dem Prägen von Münzen und seiner Wirkung auf Landwirtschaft, Handel, Handwerk und Kunst. Ursprünglich war es zum Schmuck der Außenwände der Berliner Münze am Werderschen Markt bestimmt.

Die drei Teile des Reliefs zeigen den römischen Gott Merkur im Teil vier des Münzfrieses. Hier geht es um die Prägung von Münzen und Merkur will das Fachwissen dazu lehren und vermitteln. Im fünften Teil wacht die Göttin Minerva vor dem Tempel der Künste und Ceres, die Göttin des Ackerbaus, unterrichtet die Landbewohner.

Ein ganz besonderes Schätzchen verbirgt sich auch noch im Depot des Kreuzberges: die Pferde der Quadriga vom Brandenburger Tor. Genauer gesagt: ihre Gipsabgüsse. Falls die Quadriga geklaut wird, können wir neue Pferde gießen. Die Pferde kamen schon einmal abhanden, als sich im Jahr 1806 der französische Kaiser Napoleon Bonaparte das Gespann mit der Wagenlenkerin unter den Nagel riss. Das Kriegsglück wendete sich bekanntlich und Preußen gehörte zu den Siegern der Befreiungskriege und holte sich den geraubten Streitwagen zurück nach Berlin. Die Transportschäden (auch schon von der Hinfahrt) wurden repariert und in der nationalen Begeisterung wurde aus der Wagenlenkerin eine Siegesgöttin, aus Eirene wurde Victoria. In den Lorbeerkranz kam das Eiserne Kreuz, auf den Lorbeerkranz der Preußische Adler. Zuletzt musste die Quadriga nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder restauriert werden.

Führungen durch das Nationaldenkmal auf dem Kreuzberg gibt es monatlich von Juni bis Oktober.

PS: Das Depot unter dem Nationaldenkmal erinnert mit seinen hohen Bögen an das Innere des Mausoleum des Augustus in Rom, oder?

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