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Bertel Thorvaldsen Museum

Bertel Thorvaldsen gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer des europäischen Klassizismus. Seiner Arbeit ist das 1848 eröffnete Thorvaldsen Museum in Kopenhagen gewidmet. Das Museum selbst sieht noch aus wie vor 170 Jahren.

Bertel Thorvaldsen (1770–1844) gilt neben seinem Vorbild und Kontrahenten Antonio Canova als der bedeutendsten Bildhauer des europäischen Klassizismus. In Dänemark geboren, lebte er die meiste Zeit in Rom und unterhielt an der Piazza Barberini ein großes Atelier mit vielen Mitarbeitern. In dem Atelier, gleichermaßen “Skulpturenfabrik und Showroom” wurden antike Skulpturen restauriert, ergänzt und neue Statuen und Büsten im antiken Stil für den Adel und das wohlhabende Bürgertum hergestellt.

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Auf dem Dach des Thorvaldsen-Museums die von Bissen geschaffene Quadriga, im Vordergrund das Wasserbecken von Jørn Larsen.

In seiner Heimatstadt Kopenhagen wurde dem Handwerkersohn, der mit elf Jahren seine Ausbildung an der Königlich Dänischen Kunstakademie begann, ein Museum gewidmet. Im Jahr 1848 wurde es eröffnet. Noch heute sehen die Außenfassade und die Innengestaltung weitgehend so aus wie damals. Das Museum zeigt eine umfassende Sammlung der Werke des Künstlers aus Marmor und Gips sowie persönliche Gegenstände aus der Arbeit und dem Leben Bertel Thorvaldsens.

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Rechts im Hintergrund die ockergelbe Fassade des Thorvaldsen Museum, gegenüber das "Højesteret", das höchste Gericht und Dänemarks oberste Appellinstanz in Zivil- und Strafsachen. Den größten Raum nimmt Schloss Christiansborg ein. Davor die vier Statuen antiker Götter Asclepius, Nemesis, Minerva und Herkules aus dem 19. Jahrhundert.

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Mit farbenfrohen Wänden, die von den Farben und Mustern in Pompeji und Herculaneum inspiriert sind, Mosaikböden und Deckenmalereien sieht das Thorvaldsen Museum heute genauso aus wie vor mehr als 170 Jahren.
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Die Porträtskulptur des polnischen Adligen und Generals Wlodziemierz Potocki. Für Thorvaldsen war die Antike der einzige Stil, der die Dimension der Zeitlosigkeit besaß. Deshalb ist Potocki hier als antiker römischer Feldherr abgebildet.

Der Gott der Liebe Amor ist die am häufigsten in Thorvaldsens Kunst zu sehende Figur. Die Skulptur von Thorvaldsen aus dem Jahr 1814 versinnbildlicht die überlegene Macht Amors gegenüber den anderen Göttern. Im Bewusstsein seines Sieges betrachtet Amor die Pfeilspitze. Der besiegte Herkules gab als Tribut sein Löwenfell, das über dem Baumstumpf hinter Amor hängt. Der Gott Apollo hat Amor seine geliebte Leier übergeben, die hinter dem Baumstumpf steht. Sogar der höchste römische Gott Jupiter hat Amor seinen Donnerkeil zu Füßen gelegt und der Kriegsgott Mars hat seinen Helm aufgegeben.

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Ausstellungsräume im Thorvaldsen Museum

Alle Götter der klassischen griechischen Mythologie wurden zu einem Fest eingeladen, mit Ausnahme von Eris, der Göttin des Streits. Sie rächte sich, indem sie einen goldenen Apfel mit der Aufschrift “Für die schönste Göttin” unter die Partygäste warf. Es war Venus, die Göttin der Schönheit und der Liebe, die gewann und den Apfel erhielt. Die Skulptur stellt Venus nach dem Schönheitswettbewerb dar. Mit einer Hand ergreift sie die Kleider am Baumstumpf, um sie wieder anzuziehen. Mit der anderen hält sie den Apfel ihren Bewunderern entgegen.

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Die Grazien mit Amors Pfeil und Amor, der seine Leier spielt: Wie der Titel verrät, handelt die Skulptur von den schönen Töchtern Jupiters, den Grazien, die als Dienerinnen der Liebesgöttin Venus fungieren. Dies erklärt die Anwesenheit des jungen Amors, der zu ihren Füßen auf der Leier spielt: Amor ist der Sohn der Venus.

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Bertel Thorvaldsen mit der Göttin der Hoffnung: Selbstdarstellung des Künstlers in einer Arbeitssituation. Zu sehen ist er bei der Fertigstellung der Göttin der Hoffnung, auf die er sich stützt. Skulptur von 1839.

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Thorvaldsens Grab im Innenhof des Museums

Bertel Thorvaldsen war ein Ausnahmekünstler, aber nicht unfehlbar. An seiner Ergänzung der frühgriechischen Giebelfiguren vom Aphaiatempel auf der Insel Ägina für die Glyptothek in München hat sich Lob festgemacht, aber auch Kritik. Die Figur des Fallenden hat er fälschlicherweise liegend ergänzt, tatsächlich aber steht der Krieger aus den trojanischen Kriegen. Shit happens.

Thorvaldsens Museum, 2 Bertel Thorvaldsens Plads, Kopenhagen

PS: Wer bei der gewölbten leuchtend blaue Decke mit dem aufgemalten Sternenhimmel im Thorvaldsen Museum ein Déjà-vu hat, hier ist die Auflösung.

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