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Narbo Martius: Das römische Narbonne

Narbo Martius war einst eine wichtige Römerstadt in Südfrankreich. Vom antiken Erbe zeugt heute nur noch ein Brückenfeiler, ein unterirdisches Lagerhaus und ein paar Quadratmeter römische Fernstraße. Schön ist es dort trotzdem und am nicht weit entfernten Strand kann man La Mer vom berühmtesten Sohn der Stadt so schön hören, wie sonst nirgends.

Narbonne war die erste römische Siedlung in Gallien und Bollwerk gegen die Einheimischen (Martius, abgeleitet von Mars, dem Kriegsgott), was durch der Ansiedlung vieler Veteranen von Cäsars 10. Legion ganz praktisch eingelöst werden konnte. Aus Ex-Soldaten wurden Handwerker, Händler oder Bauern, die sich notfalls auch meist wieder schnell in gute Soldaten verwandeln konnten. Später wurde Narbo Martius Hauptstadt der Provinz Gallia Narbonensis und steht heute dennoch meist im Schatten der Nachbarstädte Nimes, Arles oder Orange mit ihren noch erhaltenen römischen Theatern, Arenen, Tempeln, Thermen und Triumphbögen. Zwar punktet Narbonne neuerdings mit dem von Stararchitekt Norman Foster entwurfenen NarboVia Museum zur römischen Vergangenheit, im Stadtbild erinnert heute jedoch kaum noch etwas an Narbo Martius. Der Star unter den wenigen antiken Sehenswürdigkeiten sind ein paar Quadratmeter freigelegte Via Domitia.

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Fußgängerunterführung nahe des Canal de la Robine in Narbonne

Der Brückenpfeiler: Bereits zur Zeit der Römer ließ Marcus Agrippa einen Kanal ausheben, um Narbo Martius mit dem Mittelmeer zu verbinden. Die Pont des Marchands, die Händlerbrücke, führt über den heute durch die Altstadt von Narbonne verlaufenden Canal de la Robine. Auf dem letzten der einst sechs römischen Brückenpfeiler stehen Ladengeschäfte. Dank dieses großen Kanals und dem so möglichen Anschluss an den Seehandel, entwickelte sich Narbo Martius zu einer reichen Küstenstadt. In Ostia, dem Handelshafen Roms, kann man auf der Platz der Korporationen noch das Mosaik mit dem Firmenzeichen des Handelskontors von Narbo Martius sehen, dass dort eine Niederlassung unterhielt.

Von der Händlerbrücke kommt man in gerader Richtung (nicht so wie ich) weiter zum Rathausplatz und dort zum bedeutendsten Zeugnis des antiken Narbo Martius im Stadtbild Narbonnes. Ein paar Quadratmeter freigelegtes antikes Pflaster der Fernstraße Via Domitia.

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Die Rue Jean Jaurès kurz vor dem Rathausplatz in Narbonne

Die Fernstraße: Bei der Neugestaltung des Rathausplatzes entdeckten Steinmetze im Jahr 1997 unter dem Straßenpflaster große Steinquader mit tiefen Wagenspuren – ein perfekt erhaltenes Teilstück der ältesten Straße Frankreichs, der Via Domitia. Sie war die erste Römerstraße, die in Gallien gebaut wurde. Im Jahr 118 vor Christus wurde dann an der Via Domitia die Colonia Narbo Martius (später umbenannt in Colonia Julia Paterna Narbo Martius) gegründet, aus der sich das heutige Narbonne entwickelte. Auftrags- und Namensgeber der antiken Römerstraße war der römische Politiker und Statthalter im südlichen Gallien Gnaeus Domitius Ahenobarbus. Die Via Domitia war etwa 600 Kilometer lang und verband das Imperium Romanum mit dessen Besitzungen auf der spanischen Halbinsel. Sie war etwas länger als ihre berühmte Schwesterstraße, die Via Appia, die 200 Jahre vorher gebaut wurde.

Die ersten beiden Fotos lassen anhand der Straßenschluchten noch den weiteren Verlauf der Via Domitia zu römischen Zeiten erkennen, die im Stadtgebiet wahrscheinlich gleichzeitig die cardo maximus von Narbo Martius war. In südlicher Richtung verläuft heute die Rue du Pont des Marchands, in nördlicher Richtung die Rue Droite entlang der antiken Via Domitia. Die letzten beiden Fotos habe ich vom Turm des Bischofspalastes am Rathausplatz gemacht, dessen Fundamente zum Teil aus der alten römischen Stadtmauer aus dem zweiten Jahrhundert bestehen.

Das Lagerhaus: Die Römer bauten in Narbo Martius ein etwa 2000qm großes Horreum, ein unterirdisches Wein- und Warenlager. Dort war es das ganze Jahre über kühl und trocken. Wahrscheinlich konnten die Händler auf dem Forumsplatz direkt auf ihre Waren im Lager über Lastenaufzüge zugreifen. Wenn es in Narbo Martius die gleichen Verkehrsregeln gab wie in Rom, sind die Waren die mit dem Schiff kamen, nachts mit Ochsenkarren über die Via Domitia zu den Lagerräumen der Händler transportiert worden. Da möchte man nicht in der Nähe gewohnt haben.

Die Gänge und Lagerräume des antiken Horreum aus dem ersten Jahrhundert vor Christus wurden 1838 von einer Archäologischen Kommission in Narbonne in städtischen Besitz genommen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden sie von den Bewohnern der Gegend als persönliche Kellerräume genutzt. Heute ist der zugängliche Bereich des römischen Horreum ein Museum.

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Das Symbol Roms bis heute: die kapitolinische Wölfin. Nachbildungen stehen auf dem Kapitol in Rom und in vielen anderen Städten des ehemaligen Römischen Reiches. Nach der antiken Mythologie säugt die Wölfin Romulus und Remus, die späteren Gründer der Stadt Rom. In Narbonne, der ältesten Tochter Roms, wie die Stadt mitunter genannt wird, steht die Skulptur der Wölfin in der Rue Droite beim Place du Forum (ehemals Place Bistan).

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And Now for Something Completely Different, wie die Monty Python’s gesagt hätten: Charles Trenet wurde im Jahr 1913 in Narbonne geboren und starb 2001. Zu den bekanntesten Chansons des Sängers gehört das Lied La Mer. Hier mit einer Videoaufnahme des Strandes beim Badeort Narbonne-Plage. Mit dem Bus z.B. vom Museum Narbo Via in Narbonne in 30 Minuten zu erreichen.

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