Italien·Römer·Zivil

Bronzestatue Victoria von Brescia

Bronzestatuen haben die Antike nur selten überdauert. Eine der schönen Ausnahmen ist die Victoria von Brescia. Viele Jahre stand sie im Stadtmuseum Santa Giulia. Bald kehrt sie aus der Restaurierung wohl dorthin zurück, wo sie im 1. Jahrhundert aufgestellt wurde: auf das ehemalige Kapitol in Brescia.

IMG_9036
Santa Giulia – Stadtmuseum: UNESCO-Weltkulturerbe seit 2011

Benediktinerinnenkloster, Kaserne, Museum. Das Stadtmuseum Santa Giulia in Brescia hat eine wechselvolle Geschichte. Bekanntes Symbol des Museums seit 1998 war die sogenannte geflügelte Victoria von Brescia. Die leicht überlebensgroße und 400 kg schwere Bronzestatue aus dem ersten Jahrhundert war bei meinem Besuch im August leider schon in Florenz zur Restaurierung. Vertreten wurde sie von einer Kopie aus Gips.

Seinerzeit hielt die geflügelte Viktoria mit der linken Hand einen Schild, den sie auf einem Oberschenkel abstütze. Mit der rechten Hand führte sie eine Inschrift auf der dem Körper zugewandten Seite des Schildes aus. Vermutlich wurde ein Sieg oder eine besondere Leistung gewürdigt. Auf dem russischen Soldatenfriedhof in Přestanov aus der Zeit der Befreiungskriege kann man Schild und Inschrift an einer eisernen Victoria von Brescia gut sehen.

Eine lange Zeit nahm die Fachwelt an, dass die Flügel nachträglich hinzugefügt worden waren. Zum einen passten die Schwingen nicht zum Verlauf der Kleidung, zum anderen wegen der vergleichsweise groben Machart. Über die mokierte sich der Berliner Bildhauer Kurt Kluge 1927: „Auch über diesem Gnadengeschenk der Antike liegt ein Schatten. Ein Barbar schlug zwei rissige rohe Löcher in den herrlichen plastischen Rücken und hing zwei große Flügel drein.” Inzwischen wurde nachgewiesen, dass die Flügel schon von Beginn an zu der Statue gehörten. Allerdings hat der antike Künstler aus einer Bronzewerkstatt in Norditalien im zweiten Viertel des 1. Jahrhunderts wohl von einem ungeflügelten Modell abgeformt. Er orientierte er sich wahrscheinlich an einer Statue der Aphrodite, die heute als “Venus von Capua” bezeichnet wird.

Die Statue der geflügelten Victoria wurde am 20. Juli 1826 unmittelbar westlich des Kapitoltempels von Brescia gefunden. Zusammen mit ihr kamen auch sechs bronzene Porträtköpfe und andere Objekte zutage, die ebenfalls im Museum Santa Giulia ausgestellt sind. Nach der Fundlage geht man davon aus, das sie dort in unsicheren Zeiten in einer Art Depot verwahrt wurden. So überlebten sie Raub und Zerstörung. Der ursprüngliche Standort wird am ehesten das Forum des antiken Brixia gewesen sein. Vielleicht hat Kaiser Vespasian die Siegesgöttin der Stadt verliehen, nachdem er seine Kontrahenten im ersten Vierkaiserjahr besiegt hatte.

Inzwischen nagt der Zahn der Zeit an der inneren Holz- und Eisenstruktur, die nach der Entdeckung der Statue im 19. Jahrhundert eingesetzt wurde. Auch die bronzene Oberfläche weist Schäden und Korrosion auf. Im Juli wurde die Bronzestatue daher demontiert, in Kisten verpackt und in die Florentiner Restaurierungswerkstätten Opificio delle Pietre Dure verbracht. Hier soll die Victoria von Brescia durch ein Team aus Chemikern, Ingenieuren, Restauratoren und Kunsthistorikern grunderneuert werden. Neben der Reinigung der Oberflächen wird das Innere der Statue entfernt und eine neue Stützstruktur eingebaut, um die Flügel und Arme der Bronzestatue zu stützen. Ein Video informiert über das Restaurierungsvorhaben.

Am Ende der Restaurierung wird die Bronzestatue nach Brescia zurückzukehren. Allerdings wohl nicht mehr in das Stadtmuseum, sondern an ihren Ursprungsort auf das ehemalige Kapitol. Dort soll sie künftig auf einem zylindrischen Sockel aus Botticino-Marmor mit einer anti-seismischen Basis stehen. Im April 2020 soll es dann so weit sein, dass die Victoria von Brescia wieder von der Öffentlichkeit zu sehen sein wird.

Das Stadtmuseum Santa Giulia, seit 2011 UNESCO-Weltkulturerbe, wird mit dem Verlust klarkommen. Neben den zahlreichen Objekten aus Bronzezeit und Mittelalter punktet das Museum vor allem mit seiner Ausstellung über die römische Zeit Brescias. So sind die Überreste zweier römischen Villen in den Museumskomplex integriert: das Haus des Dionysos und das Haus mit dem Springbrunnen. Letzteres verdankt seinen Namen der Entdeckung einer großen Anzahl hydraulischer Geräte zum Betrieb des Springbrunnens. Die Böden der Villen sind mit bunten und einfarbigen Mosaiken ausgestattet.

IMG_9014.jpg
Überreste einer römischen Villa im Stadtmuseum Santa Giulia in Brescia
IMG_8992
Römisches Grabdenkmal mit Legionsadler und zwei Paterae. Botticino Marmor. Zweite Hälfte 2. Jahrhundert
IMG_8991
Legionsadler an einem Grabmal
IMG_9008
Römische Ziegel. Der Abdruck sieht aus wie ein Smiley, oder?

Stadtmuseum Santa Giulia, Via dei Musei, 81/b, 25121 Brescia BS, Italien.

360-Grad-Ansicht verschiedener Museumsbereiche auf der Homepage der Stiftung der Museen von Brescia.

Weiterlesen:

Hinterlasse einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.