Germanien·Römer

Limes Blicke

Um den schnurgeraden Verlauf des UNESCO-Welterbes Limes in der Region Hohenlohe erlebbar zu machen, haben die Kommunen Zweiflingen, Öhringen und Pfedelbach das gemeinsame und am Limes einmalige Projekt „Limes Blicke“ ins Leben gerufen.

Und genau die will ich mir ansehen und nutze einen beruflichen Termin in Schwäbisch Hall für einen Besuch der ehemaligen Grenze zwischen der römischen Provinz Obergermanien im Westen und den Germanen im Osten. Einige Straßenabschnitte nach Öhringen verlaufen schnurgerade und lassen mich an alte Römerstraßen denken. Der Regen hört auf, die Götter sind mit mir.

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Auf der L1050 vor Öhringen

Die Aussichtsplattform bei der Großen Kreisstadt Öhringen ist mein erstes Ziel. Die drei Plattformen zeigen eine Architektur aus Stahl und sollen auf moderne Bauweise ganz bewusst einen zeitgemäßen Kontrast zu den historischen Vorbildern der römischen Wachtürme aus Holz und Stein setzen, lese ich in einem Flyer. Der Limes Blick Öhringen ist die höchste der drei Plattformen und ermöglicht die Sicht nach Norden zum Limes Blick Pfahldöbel bei Zweiflingen sowie nach Süden zum Limes Blick an der Hangkante im Wald bei Pfedelbach-Gleichen.

In Öhringen entstanden um 155 n. Chr. zwei Kastelle, in denen etwa tausend Soldaten von Hilfstruppeneinheiten aus Helvetien und Britannien zur Grenzsicherung stationiert waren.  Auch ein Zivilort entwickelte sich, der nach dem römischen Kaiser Marc Aurel vicus aurelianus benannt wurde. Mit dem Fall des Limes gut 100 Jahre später ging das römischen Öhringen unter. Im Nachbarkastell Mainhardt lag eine teilberittene Einheit, deren Soldaten aus dem Nordwesten des heutigen Spaniens stammten. Die bedeutendste Einheit der Grenzsicherung, die Kavallerieeinheit Ala II Flavia, war in Aalen stationiert. Woher ihre Soldaten ursprünglich kamen, ist unklar.

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Aussichtsplattform bei Öhringen und stilisierte Palisade des Grenzzaunes am Limes
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Aussichtsfernrohr am Limes Blick Pfedelbach-Gleichen

Beeindruckend, wie die Römer es vor fast 2000 Jahren schafften, mit einfachem technischen Gerät den Limes über jegliche Topografie hinweg schnurgerade zu bauen. Eine Meisterleistung antiker Ingenieurskunst und wohl auch eine Demonstration der technischen Überlegenheit. Wir Römer können das, und ihr Germanen nicht. Am Limes in Britannien, dem Hadrianswall, findet man auch ein Beispiel römischer Bürokratie. In regelmäßigen Abständen wurden sogenannten Meilenkastelle für den Grenzverkehr gebaut. Auch, wenn z.B. das Tor in dem kleinen Kastell dann durch steil abfallendes Gelände nicht genutzt werden konnte.

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Römischer Legionär. Holzkopf mit Besenbürste …
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