Klassizismus Rationalismus

Renaissance und Klassizismus in Palermo

Nach dem Ende der Antike begann die Reminiszenz an die Antike. Ein schnurgerader Spaziergang vom Teatro Politeama über das Teatro Massimo zur Fontana Pretoria. Auf den Spuren von Renaissance und Klassizismus in Palermo.

Im neoklassizistischen Stil erbaute der italienische Architekt Giuseppe Damiani Almeyda im 19. Jahrhundert das städtische Theater von Palermo. Die Anlehnungen an die Antike und insbesondere an die Bauten in Pompeji sind überdeutlich. Der Eingang ist als Triumphbogen gestaltet, der kreisförmigen Fassade sind Säulengänge vorgesetzt. Im Erdgeschoss mit dorischen Säulen, im Obergeschoss mit ionischen Säulen. Wandmalereien verbreiten Romanitas. Die Bronze-Quadriga auf dem Dach stellt den Triumph von Apollon (Gott der Musik) und Euterpe (Muse der Lyrik) dar. Die beiden werden flankiert von zwei Reiterstatuen, welche die olympischen Spiele symbolisieren. Auf den beiden Kandelaber neben dem Eingang des Theaters finden sich figürliche Darstellungen zweier Frauen. Leider hatte meine Recherche bislang keinen Erfolg, wenn sie darstellen. Nach dem Tod von Giuseppe Garibaldi, dem großen italienischen Freiheitskämpfer, wurde der Name des Theaters in Teatro Politeama Garibaldi geändert.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Theaters an der Piazza Castelnuovo steht der Palchetto della Musica, ein Denkmal aus weißem Marmor. Es wurde ebenfalls im 19. Jahrhundert und im neoklassischen Stil erbaut. Die Unternehmerfamilie Florio gab den Bau in Auftrag. Er sollte nicht nur den öffentlichen Raum verschönern, sondern auch verhindern, dass kommunale Wohnungen zu nah an die schöne Villa der Florios herangebaut wurden. Gemeinwohl und Eigennutz sind nicht selten zwei Seiten einer Medaille. Der Pavillon besteht aus korinthischen Säulen, die ein mit Palmetten verziertes Gebälk tragen. In einem Giebeldreieck ist die Triskele eingemeißelt. Der Medusenkopf mit den beiden Schlangen und Flügeln, aus dem drei Beine wachsen, ist seit der Antike das Symbol für Sizilien. Durch den Pavillon hindurch schaut man heute auf die Wohnblocks an der Via Paolo Paternostro.

Weiter die schnurgerade Via Ruggero Settimo hinunter, gelangt man zum ursprünglichen Opernhaus Palermos. Das Teatro Massimo ist ein neoklassizistischer Bau vom Ende des 19. Jahrhunderts und das drittgrößte Theater Italiens. Entworfen hat ihn der Architekt Giovanni Battista Filippo Basile. Der Opernsaal ist mit einer großen Kuppel überspannt, dem Haupteingang ist ein Portikus aus sechs korinthischen Säulen vorgelagert. Ein bisschen Parthenon, ein bisschen Pantheon. Zum Portikus führt eine monumentale Freitreppe hinauf, an der auf beiden Seiten zwei bronzene Löwenskulpturen liegen. Die Frauenfiguren auf ihnen symbolisieren die Lyrik (geschaffen von Mario Rutelli) und die Tragödie (geschaffen von Benedetto Civiletti).

Sizilien, Palermo. Welches Wort fehlt noch? Mafia, natürlich! Hier passt es, denn das Teatro Massimo war Schauplatz der Schlussszenen von Francis Ford Coppolas Film “Der Pate” Teil III. Es passt aber auch, weil das Opernhaus einst unter dem Einfluss des kriminellen Mobs sehr litt und dann zum Anti-Mafia Symbol wurde. “Die Kunst erneuert die Völker und offenbart ihnen das Leben. Unnütz ist die Unterhaltung im Theater, wenn sie nicht auch der Zukunft den Weg bereitet.” steht über dem Portal des Teatro Massimo geschrieben.

Schnurgeradeaus geht es weiter, die Via Maqueda hinunter zur Fontana Pretoria. Die Brunnenanlage stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde vom florentinischen Bildhauer Francesco Camilliani für den Garten eines spanischen Adligen geschaffen. Der musste die schöne Neuerwerbung aber alsbald verkaufen, weil die Familie knapp bei Kasse war. So kam der Brunnen nach Palermo. Angeblich waren die Palermitaner nicht besonders begeistert davon. Wegen der hohen Kaufsumme oder der nackten Figuren, mit denen der Brunnen geschmückt ist, sollen sie “Schande, Schande” gerufen haben. Heute ist eher der traurige Zustand der Gebäude um die Fontana Pretoria eine Schande. Der Renaissance-Brunnen mit seinen Statuen aus der mythologischen Welt der Antike erfreut sich dagegen großer Beliebtheit.

Überlebensgroße Statuen säumen die vier Eingänge zur Brunnenanlage auf der unteren Ebene. Auf der zweiten Ebene befinden sich große Marmorbecken mit Wasser, mit Tierköpfen verzierten Nischen, und Statuen von Tritonen, Nereiden und Sirenen. Eine der Figuren stellt die uns schon bekannte Euterpe dar, eine weitere Pegasus. Auf der oberen Ebene steht irgendwo Opi, die ursprüngliche römische Göttin der Erde. Auch Merkur, Venus Verticordia, Venus Callipigia, Adonis, Ceres und ihr Sohn Trittolemmo sind dargestellt.

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