Klassizismus Rationalismus

Der italienische Rationalismus auf Sizilien

Nach dem Ende der Antike begann die Reminiszenz an die Antike. Der italienische Rationalismus hat auch auf Sizilien seine Spuren hinterlassen: Veteranenheim und Postamt.

Die Architektur im faschistischen Italien favorisierte vielfach den sogenannten Rationalismus: einen Mix aus den klaren Formen des deutschen Bauhaus und klassischen Architekturelementen wie Bögen, Säulen, Würfel und Kuppeln. Das Vorbild dieser Imponierarchitektur war die römische Antike. Architektonische Grundelemente wurden aber auf ihren Kern reduziert. Keine antiken Säulen mit korinthischen Kapitälchen, sondern schnörkellose runde Pfeiler. Glatte Fassaden statt Ornamentik. Staatliche Bauprogramme stampften in den späten 1920er und 1930er Jahren vielerorts in Italien zahlreiche protzige Repräsentationsbauten für den Staats- und Parteiapparat, aber auch Krankenhäuser, Sportstadien, Bahnhöfe und Postgebäude, aus dem Boden. Auf Sizilien sind das Veteranenheim in Catania und das Post- und Telegraphenamt in Palermo Zeugnisse des italienischen Rationalismus.

Die Casa del Mutilato in Catania wurde zwischen 1938 und 1940 für die Associazione Nazionale fra Mutilati ed Invalidi di Guerra (Nationale Vereinigung der Versehrten und Kriegsinvaliden) erbaut. Es ist ein kastenförmiger Bau mit einem fast schmucklosen stilisierten Triumphbogen als Eingang. Erhalten sind noch die Signa, Feldzeichen der römischen Legionen nachempfundene Standarten. Die auf dem Giebel befindlichen lebensgroßen Statuen italienischer Soldaten aus verschiedenen Kriegen wurden vor einigen Jahren entfernt. Auf Ornamentik wie einem Relief und weiteren schmückenden Elementen wie beispielsweise beim Teatro Politeama Garibaldi in Palermo wurde ganz im Stil des Rationalismus verzichtet. Entworfen hat das Gebäude der Architekt Ercole Fischetti. Seit 2006 steht das Haus leer und verfällt zunehmend. Aktuell wird im Stadtrat von Catania über ein neues Nutzungskonzept diskutiert.

Der Palazzo delle Poste, das Hauptpostamt, an der Via Roma in Palermo wurde in den frühen 1920er Jahren von dem italienischen Architekten Angiolo Mazzoni entworfen. Die Bauarbeiten begannen 1929 und die Einweihung fand am 28. Oktober 1934 statt. Das Gebäude ist aus Stahlbeton errichtet und wurde mit grauem Billiemi-Marmor aus der Gegend um Palermo verkleidet. Die vordere Kolonnade besteht aus zehn Säulen, die 30m hoch sind. Zusammen mit der breiten Freitreppe entsteht die vom Regime gewünschte Monumentalität. Da wirken die beiden Fresken mit den geflügelten römisches Siegesgöttinnen rechts und links des Schriftzuges Poste e Telegrafi schon fast subtil. Zumal während der Zeit bis zum Ende des faschistischen Italiens, als sich auf der rechten Seite des Postamtes drei wuchtige stilisierte Liktorenbündel aus Marmor befanden, die ebenso hoch wie das Gebäude waren. Diese Rutenbündel mit Beil wurden in der Antike von den Liktoren getragen und symbolisierten die Macht Roms. Auch Mussolinis Faschisten verwendeten das Rutenbündel als Symbol. Nach dem Krieg wurde das Postamt architektonisch entnazifiziert. Heute ist das Postamt ein Postamt und die Freitreppe auch mal ein Laufsteg für Modenschauen.

Der italienische Rationalismus hat nicht nur auf Sizilien sein Erbe hinterlassen. Unweit vom nördlichsten Zipfel Sizilien, auf dem Festland, liegt das Städtchen Reggio Calabria mit seinem Museo nazionale della Magna Grecia (bzw. Museo Archeologico Nazionale Di Reggio Calabria). Der Architekt Marcello Piacentini (manche bezeichnen ihn als den italienischen Albert Speer) hat es 1932 entworfen. Es beherbergt u.a. zwei berühmte Großbronzen der Antike.

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Die staatlichen Bauprogramme schufen nicht nur neues, sie zerstörten auch altes. Was architektonisch störte oder aus ideologischen Gründen als wertlos galt, fiel der Abrissbirne zum Opfer. In Provinzstädten wie Brescia ebenso wie in der Hauptstadt. Bekanntes Beispiel ist die Via dei Fori Imperiali in Rom. Als Via dell’Impero unter Mussolini angelegt, schuf man eine Sichtachse auf das Kolosseum, zerschnitt dafür aber die antiken Kaiserforen unter Inkaufnahme nicht wieder gut zu machender archäologischer Zerstörungen.

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