Germanien·Römer

Roms verlorene Provinz

Waren die Römer je im heutigen Thüringen? Ja, waren sie! Wie und warum Römer und römische Funde in das freie Germanien zwischen Werra und Saale kamen, zeigt die Mühlhausener Ausstellung „Roms verlorene Provinz“ noch bis zum 26. September 2021.

Auch im heutigen Thüringen finden sich Spuren der Römer. So wurde beispielsweise eine römische Gewandspange aus Bronze mit farbiger Emailleauflage aus dem 2. Jahrhundert gefunden, ein Schiebeschlüssel und ein Pferdegeschirr-Beschlag aus der gleichen Zeit. Außerdem Silber- und Bronzemünzen sowie Schuhnägel aus den Caligae der römischen Legionäre. Die Ausstellung im Kulturhistorischen Museum bringt mehr als 300 Exponate zusammen, 120 Stücke davon sind Leihgaben aus anderen Museen in Thüringen und weiteren Bundesländern.

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Nachbildung der überlebensgroßen Panzerstatue des ersten römischen Kaisers Augustus. Benannt wurde sie nach ihrem Fundort in Prima Porta, einem nördlichen Stadtteil Roms. Der Primaporta-Typus wurde für Porträts des Augustus zum vorherrschenden Darstellungsstil.
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Ausstellung “Roms verlorene Provinz” im Kulturhistorischen Museum in Mühlhausen

Die meisten Fundstücke sind sehr kleinteilig und eher für Fachleute interessant. Das wussten auch die Ausstellungsmacher unter Leitung von Thomas Schierl und ergänzten die archäologischen Funde mit einigen Gipsbüsten, einer Nachbildung der unvermeidlichen Augustus von Primaporta-Statue und vor allem großformatigen Fototafeln und einigen Videobeiträgen. Diese veranschaulichen, wie römische Funde in das heutige Thüringen gelangt sind. Beispielsweise durch Tausch und Handel, durch Soldzahlungen an Germanen in römischen Diensten oder Zuwendungen an germanische Stammesführer zur – wie man heute sagen würde – politischen Landschaftspflege. Manches wurde vielleicht auch jenseits der Rheingrenze von Germanen geklaut oder von römischen Legionären auf Patrouille durch das Germanenland verloren.

Die Fototafeln und Videos entstanden mit Hilfe von Darstellern der Living-History-Gruppen Legio XVII Albica und Thunrakundi und sind sehr gelungen. Fotografiert und gefilmt wurde im sogenannten Opfermoor von Niederdorla, einem Museum und Freigelände mit einer nachgestalteten germanischen Siedlung.

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Kulturhistorisches Museum in Mühlhausen. Ein Neorenaissancebau, der 1868 bis 1870 als Gymnasium errichtet worden ist.

Roms verlorene Provinz – Archäologische Spuren in Thüringen
Ausstellung im Kulturhistorischen Museum in Mühlhausen noch bis 26. September 2021. Inzwischen ist der Katalog zur Ausstellung erschienen und kann im Webshop des Museums bestellt werden.

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