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Der Tempel von Debod in Madrid

Seit 1972 steht ein ägyptischer Tempel in Madrid. Unweit der Plaza de Espana, in einem schönen Park, mit noch schönerer Aussicht, ist er zu einem beliebten Ort für Touristen und Einheimische geworden.

Der Ursprung des Tempels geht auf die Jahre 195 bis 185 v. Chr. zurück, als Adikhalamani, König von Meroe, beim Dorf Debod im heutigen Sudan einen kleinen Tempel errichten ließ. Der Tempel war zwei Göttern gewidmet: Amun von Debod, einem nubischen Gott, und der ägyptischen Göttin Isis. Knapp fünfzehn Jahre später erweiterte König Ptolemaios VI. den Tempel. Nach der römischen Eroberung Ägyptens im Jahr 30 v. Chr. folgten Jahrzehnte des Wohlstands in der Region, was dazu führte, dass zahlreiche Tempel gebaut und andere vergrößert wurden. Unter den Kaisern Augustus und Tiberius wurde die Tempelanlage in Debod im Vorhof um einen weiteren Eingang erweitert und die Hauptfassade des Tempels ausgeschmückt.

In Madrid befindet sich der Tempel von Debod in einem Park auf dem Principe Pio-Berg. Von dort hat man einen schönen Blick über die Tempelanlage auf die Hochhäuser an der Plaza de Espana. Besonders beliebt ist der Panoramablick von der Parkseite auf den Königspalast, die Almudena-Kathedrale und die Königliche Basilika des Heiligen Franziskus.

Im Innere des Tempels befindet sich ein kleines Museum, in dem über die Geschichte des Tempels und die zahlreichen Inschriften und Reliefs an den Wänden informiert wird. Eine der Darstellungen zeigt Opfergaben des römischen Kaisers Augustus an die Götter Isis, Osiris, Amun von Debod und Mahesa und Thoth von Pnubs.

Im oberen Stockwerk des Tempelmuseums ist ein Modell der antiken Nil-Landschaft von Niedernubien ausgestellt. Das Foto zeigt den Tempel von Debod in der Mitte und im Vordergrund die Tempelanlage von Philae an ihrem ursprünglichen Platz in der Nähe des ersten Nil-Kataraktes.

Wie ist der ägyptische Tempel von Debod nun nach Madrid gekommen? Im Jahr 1960 hat Ägypten mit dem Bau des Assuan-Staudamms begonnen, der nach seiner Fertigstellung die Region Niedernubien mit seinen Dörfer und Denkmälern in einem über 500 Kilometer langen Stausee überflutet hat. In Zusammenarbeit mit den Regierungen Ägyptens und des Sudan hat die UNESCO die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, an der Rettung dieses historischen Erbes mitzuwirken. Dabei wurden einige Bauten, wie die des Tempelkomplexes von Philae, an andere Orte in der Region verlegt, manche Tempel wurden im Nationalmuseum Sudans in Khartum wieder aufgebaut und andere Denkmäler, wie der Tempel von Debod, wurden in Länder gespendet, die bei der Rettungsaktion geholfen haben. Daher schenkte der ägyptische Staat im Jahr 1968 den Tempel von Debod an Spanien für dessen Hilfe bei der Rettung der Tempel von Abu Simbel.

Im Jahr 1970 begann in Madrid der Wiederaufbau des Tempels. In den folgenden Monaten wurden die Gärten gestaltet und bepflanzt, Teiche angelegt, die nubischen Quadersteine aufgestellt und die verlorenen Teile nachgebaut. Im Juli 1972 öffnete der Tempel seine Pforten für die Öffentlichkeit.

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Nach Einbruch der Dunkelheit versetzt einen der Anblick der Tempelanlage und der Umgebung fast schon ins antike Ägypten. Im Sommer ist der vorderer Bereich der Tempelumgebung in Höhe von einigen Zentimetern mit Wasser gefüllt. Davon habe ich bei meiner vorherigen Reise nach Madrid im Jahr 2014 ein Foto gemacht.

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Besonders populär war der Isis-Kult in der römischen Zeit Ägyptens nicht nur in der Gegend von Debod, sondern auch in anderen Teilen des römischen Reiches. In Mainz hat man die Überreste eines Isis-Heiligtums aus der römischen Zeit beim Bau einer Einkaufspassage gefunden.

Der Tempel von Debod in Madrid auf Google-Maps. Weitere Informationen zum Tempel von Debod auf der Webseite der Stadt Madrid.

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2 Replies

  1. Ein sehr gelungener Beitrag. Schöne Fotos und Erklärungen. Ein Grund nach Madrid zu fahren. Gute Links für Neugierige.

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