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Die Netflix-Serie Barbaren: Mehr schlecht als recht …

Im Oktober 2020 hat der Streamingdienst Netflix die Serie Barbaren veröffentlicht. Für eine historische Action-Serie ist Barbaren zum Teil ganz gut gemacht. Die Germanendarsteller überzeugen aber so wenig, dass in meinen Augen die ganze Serie ein filmischer Flop ist.

Am 23. Oktober 2020 hat der Streamingdienst Netflix die Serie Barbaren veröffentlicht. Sie handelt in sechs Folgen vom Verrat des Arminius und der Vernichtung dreier römischer Legionen im Teutoburger Wald im Jahr neun nach Christus. Die Serienmacher stricken den historischen Hintergrund um drei Jugendfreunde: eben Arminius, einer Type namens Folkwin Wolfdings (warum eigentlich, die ganze Story hätte auch ohne ihn funktioniert) und Thusnelda, cheruskische Fürstentochter und spätere Frau von Arminius.

Ihr merkt vielleicht schon, es folgt gleich keine Jubelarie auf die Serie. Dabei muss ich fairerweise sagen, so schlecht ist sie auch nicht. Kommt aber darauf an, was man erwartet. Ich hatte wohl zu viel erwartet.

Als die Serie startete habe ich sie mir gleich angesehen. Die Waffen der Römer und die Ausstattung des Römerlagers beispielsweise sind sehr gut. Das die Scuta der Legionäre zu der Zeit noch oval und nicht eckig waren, ist für mich jetzt kein Problem. Schön dadurch auf jeden Fall der Kontrast zu den ovalen Schilden der Reiterei der Hilfstruppen. Habe ich mit Vergnügen gesehen. Es gibt ein langes und informatives Video eines Hamburger Historikers auf Youtube, der sich mit Realität und Fiktion in der Serie beschäftigt.

Mein Vergnügen hört auf, wo die Schauspieler – nennen wir die Darsteller erst einmal so – anfangen zu reden. Nach zwei Folgen konnte ich mir die Staffel nicht weiter ansehen. Zu groß war das Fremdschämen.

Einerseits, die gelungene schauspielerische Darstellung der Römer als arrogante Besatzungssoldaten. Sie sprechen auch im Film Latein, dass die “Affen”, die Germanen, nicht verstehen. Ansonsten tun Sie das, was Besatzer immer tun. Sie leben auf Kosten der Besetzen und diktieren die Spielregeln (und tun abgesehen davon langfristig auch eine ganze Menge Gutes für die Besetzten, aber das ist eine andere Geschichte).

Dabei sind nicht alle bösartig, wie hier Zenturio Metellus. Die Darstellung der – leider wenigen – Römer lässt ab und an Raum für Differenzierungen zu. Der römische Statthalter Publius Quinctilius Varus, der in der Serie der Ziehvater von Arminius ist, liebt seinen Sohn, kann aber auch sagen “du hast alles erreicht, was einer wie du erreichen kann”. Meint, mit der richtigen Erziehung kann auch aus einem Barbaren etwas werden, aber natürlich muss irgendwo auch Schluss sein. Wir wollen es mal mit der Integration nicht übertreiben.

Die Darstellung der Germanen fällt im Vergleich zu den Römern leider völlig ab und das ist meine Kritik ab der Serie. Sie sprechen nicht nur hochdeutsch, wie oft schon angemerkt wurde, die Dialoge klingen in meinen Ohren auch so, als säße man gerade in einem Straßencafé im Prenzlauer Berg in Berlin. Und mache der Germanen sehen so aus, als kämen sie auch gerade von dort.

Was sie sagen und wie sie es sagen, ruft mittelschwere Irritationen hervor. Ist man in der richtigen Zeit? Die Darstellung der Charaktere pendelt zwischen einer Soap wie “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” und einem Film von Bully Herbig. Das wäre großartig, wenn “Barbaren” eine Seifenoper oder eine Komödie wäre. Die Serie meint es aber ernst und daran scheitert sie. Allen voran die Darstellung von Thusnelda, deren Normalzustand das Extrem ist. Immer aufgeregt, immer empört, immer übertrieben. Weiß immer das richtige zu tun und hat die moralische Überlegenheit gepachtet. Der Ansatz, die Fürstentochter als starke Frau darzustellen, ist ja ehrenwert. Hat zwar mit der überlieferten Geschichte nichts zu tun, trifft aber den Zeitgeist. Nicht weniger misslingt die Darstellung von Folkwin, Segestes und Segimer. Alles spielt sich immer auf einer eindimensionalen und überzogenen Ebene ab.

Diesen Monat habe ich mir die anderen vier Folgen der ersten Staffel von Barbaren gesehen und das Schlimmste befürchtet. Wenn man aber mit einem niedrigen Anspruchsniveau herangeht, geht es und man denkt: ist doch besser als befürchtet.

Am Ende der letzten Folge liefert Arminius zu den Kampfszenen der Schlacht im Teutoburger Wald aus dem Off noch die Erklärung, zu dem was man ohnehin gesehen hat. “Wir kämpfen für die Liebe, wir kämpfen für unsere Freiheit!” Ja, haben wir verstanden, darum ging es ja die ganze Zeit. Die Schlachtreihen sind leider ein bisschen sehr dünn dafür, das dort tatsächlich 30.000 bis 40.000 Römer und Germanen gegeneinander gekämpft haben. Die Kameraführung ist so schlecht, dass das auch richtig auffällt.

Immerhin lässt die Regie Arminius nicht sagen, wir kämpfen für die Freiheit. Korrekterweise ging es den Cheruskern, Brukterer, Marsern und den anderen Stämmen nämlich nur um ihre Freiheit. Mit der Freiheit anderer Leute haben es unsere Vorfahren nicht so ernst genommen und kämpften beispielsweise bei der Unterwerfung Galliens und Britanniens auf der Seite der Römer. Im Film wird ja erwähnt, dass Arminius in Pannonien selbst mit dabei war. Wurde eigentlich erwähnt, dass er dort als Befehlshaber der germanischen Reiterei gegen andere Germanen kämpfte?

Mein Fazit: Für eine historische Action-Serie ist Barbaren zum Teil ganz gut gemacht. Die Germanendarsteller überzeugen aber so wenig, dass in meinen Augen die ganze Serie ein filmischer Flop ist. Die Dreharbeiten zur zweiten Staffel haben inzwischen schon begonnen. Kann ja eigentlich nur besser werden.

Abgesehen davon: Die Netflix-Serie will unterhalten und keine pädagogische Lehrstunde in Geschichte sein. In Ordnung. Aber dennoch: Die holzschnitzartige Unterscheidung zwischen den fiesen Römern und den zwar etwas primitiven, aber aufrechten Germanen, die aufgrund des schweren Unrechts und der anhaltenden Demütigungen nicht anders können, als die Römer zu vernichten, folgt der gleichen Interpretation, wie die nationale Verklärung von Hermann dem Cherusker im 19. Jahrhundert. Trifft eigentlich nicht den Zeitgeist, oder?

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