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Agrippina hat Geburtstag

Männer wollen Karriere machen, müssen beruflich flexibel sein. Die Familie zieht dann oft mit und um. So war das auch schon bei den alten Römern vor 2000 Jahren, als der Großneffe Kaiser Augustus von Rom an den Rhein geschickt wurde. Er sollte von dort aus den Rachefeldzug des Imperiums gegen die Germanen führen. Germanicus war bekanntermaßen kein wirklicher Erfolg beschieden, Köln profitierte schon eher davon. Germanicus Tochter Agrippina die Jüngere kam hier im Jahr 15 oder 16 n. Chr. zur Welt und wurde eine schillernde Persönlichkeit und mächtige Frau. Manche sagen, ein Gift- und Glamour Girl. Sie heiratete später ihren Onkel, brachte ihn dann um, damit ihr Sohn Nero aus erster Ehe Kaiser werden konnte.

In Köln gilt Agrippina als Stadtgründerin. Obwohl Familie Germanicus samt Töchterchen nach wenigen Monaten Köln, seinerzeit nichts weiter als ein römischer Militärstandort im Barbarenland mit ein paar Zivilbauten, wieder verließen. Später nämlich, so heißt es, korrigierte Roms mächtigste Frau den kleinen Schönheitsfehler in ihrem Lebenslauf und lässt ihren Mann, Kaiser Claudius, dem antiken Köln Stadtrechte verleihen. Aus dem ehemaligen Oppidum Ubiorum wird die Colonia Claudia Ara Agrippinensis inklusive entsprechender öffentlicher Bauten und urbanen Lebens. Die einzige Colonia im Imperium Romanum, die nach einer Frau benannt war.

Auf ihr römisches Erbe im Allgemeinen und auf Agrippina im Besonderen sind die Kölner stolz. Ihr Bild schmückt die Amtskette der Oberbürgermeisterin und als 1844 der Unternehmer und Politiker Gustav Mevissen die erste Kölner Versicherung gründete, nannte er sie Agrippina Versicherung. Die Leiter von PR Abteilungen würde heute vermutlich der Schlag treffen. Und auch beim Karneval, auf den die Kölner nicht minder stolz sind, ist die Stadtmutter prominent mit dabei. In der Figur der Jungfrau ist sie seit 1883 fester Bestandteil des Kölner Dreigestirns und wird „Ihre Lieblichkeit“ genannt. Lieblich war Agrippina bestenfalls im direkten Vergleich mit ihrem Bruder. Der verewigte sich unter dem Beinamen „Caligula“ als wahnsinniger Gewaltherrscher unter den römischen Kaisern.

Agrippina hat Geburtstag

Dieses Jahr feiern die Kölner den 2000. Geburtstag von Agrippina mit einer Sonderausstellung im Römisch-Germanischen Museum vom 26. November 2015 bis noch zum 28. März 2016. Glanzstück der Ausstellung ist eine überlebensgroße Statue Agrippinas. Vermutlich in der Spätantike wurde die Statue zerschlagen, im 19. Jahrhundert wurden die Überreste gefunden. Ihr Kopf gelangte in die Ny Carlsberg Glyptothek in Kopenhagen, der wieder zusammengesetzte Rumpf in das Centrale Montemartini nach Rom. Dank der Leihgaben der beiden Museen ist die Statue erstmals wieder vollständig zu sehen. Na dann: Viva Colonia!

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