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Was bringt die Nero Ausstellung 2016 in Trier?

Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus, berühmter und berüchtigter römischer Kaiser. Drei Trierer Museen widmen dem „singenden Antichristen, wirren Laienspieler, schlechtesten Mensch aller Zeiten, größten Verschwender der Weltgeschichte und trunkenen Tyrannen“ 2016 eine große Ausstellung.

Abgesehen von der Tatsache, dass Sonderausstellungen gut für das Tourismusgeschäft sind, spricht eigentlich nichts für den Ausstellungsort Trier. Im Unterschied zum römischen Kaiser Konstantin I. – dem Trier 2007 eine große Ausstellung widmete – war Nero nie in Augusta Treverorum. Das sein Tod auch Auswirkungen auf das antike Trier hatte .. naja, das trifft auch auf andere Städte zu. Egal, interessant ist die schöne Ausstellung dennoch.

Räumt die Sonderschau auch mit einigen der Mythen auf und rückt den wohl umstrittensten römischen Kaiser in ein differenziertes Licht, wie die Veranstaltungsmacher sagen? Was bleibt noch vom Nero Bild, das für viele mit der unvergessenen wahnsinnig-weinerlicher Darstellung Peter Ustinovs in dem Hollywood-Blockbuster Quo Vadis verbunden ist? Ein Faktencheck:

1. Nero hat Rom anzünden lassen. Wahrscheinlich nicht, auch wenn er davon profitiert hat. Nach dem Feuer hat er sich für Brandschutzmaßnahmen und Stadtentwicklung eingesetzt.
2. Er hat die Christen verfolgen und ermorden lassen. Ja, aber eher in geringerem Maße als andere Kaiser. Die Christen mit dem Brand in Verbindung zu bringen, war wohl nicht die reine Willkür.
3. Nero hat seine Mutter Agrippina ermorden lassen. Ja, aber Mord zur Machtsicherung – auch im Familien- und Verwandtenkreis – war seinerzeit ein übliches Vorgehen. Auch andere römische Kaiser hatten Blut an den Händen, allerdings brachte keiner seine Mutter um.
4. Seine Baumaßnahmen haben das Römische Reich finanziell ruiniert. Ja, er hinterließ seinem Nachfolger riesige Schulden. Allerdings dauerte es keine zehn Jahre, bis das Imperium unter Vespasian wieder schwarze Zahlen schrieb.
5. Der Kaiser war geisteskrank. Wahrscheinlich nicht. Nach einem neuen Gutachten kommt er knapp an dieser Beurteilung vorbei, sollen bei ihm doch nur vier von neun Persönlichkeitsstörungen vorgelegen haben.

Weder Tacitus, Sueton noch Cassius Dio konnten oder wollten Gutes an Neros Herrschaft entdecken und auch Theodor Mommsens Urteil fiel negativ aus. Er sei “vielleicht der nichtswürdigste Kaiser, der je auf dem römischen Thron gesessen hat.” Allerdings war Mommsen mit den Erkenntnissen der damaligen Zeit nicht unfehlbar. So hielt er auch den römischen Soldatenkaiser Maximinus Thrax für “eine Unteroffizierstype” die zur Planung eines komplexen Feldzuges tief nach Germanien nicht in der Lage sei. Das vor einigen Jahren entdeckte Schlachtfeld am Harzhorn widerlegt seine Einschätzung.

Rehabilitiert die Trierer Ausstellung Nero? Kommt es gar zu einer Ehrenrettung des Despoten? Oder bleibt Nero das Monster, dass zur Marke wurde? An dem Kaiser, der lieber Künstler als Staatsmann sein wollte, scheiden sich die Geister, damals wie heute.

Die Ausstellung “Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann” läuft noch bis 16. Oktober 2016 im Rheinisches Landesmuseum Trier. Das Stadtmuseum Simeonstift Trier widmet sich dem Thema “Lust und Verbrechen. Der Mythos Nero in der Kunst” und im Museum am Dom Trier geht es um “Nero und die Christen”. Sehenswerte Ausstellung und auch der schwere Begleitband ist lesenswert. Von Triers römischem Erbe sind die Kaiserthermen leider immer noch zum Teil eingerüstet, am Amphitheater wird saniert und die Nachbildung der Igeler Säule im Landesmuseum ist auch noch nicht wieder zu sehen. Dafür aber das Original in der nahen Gemeinde Igel.

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