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Zu. Auf. Zu. Auf. Auf zur Antikenhalle in Dresden

Lange war die Antikenhalle in Dresden wegen der Sanierung geschlossen. Dann musste sie bald nach der Neueröffnung aufgrund der Corona-Pandemie schon wieder zu machen. Seit Mitte Juni ist die Ausstellung wieder geöffnet und unbedingt einen Besucht wert.

Nach zehn Jahren im Schaudepot des Albertinum werden die antiken Dresdner Skulpturen seit 29. Februar 2020 im Semperbau präsentiert. Ihr neues Zuhause ist die Antikenhalle im Erdgeschoss des Ostflügels. In der “Skulpturensammlung vor 1800” ist eine Auswahl der schönsten Objekte der Antikensammlung aus der Zeit von 3000 vor bis 500 nach Christus zu sehen. Darunter wunderbare Skulpturen aus Marmor, wie die berühmten “Herkulanerinnen”.

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Schreitet man die Eingangstreppe zur Antikenhalle herauf, steuert man zunächst aber erst einmal direkt auf eine Statue zu, die Lucilla zeigt, die Tochter des römischen Kaisers Marc Aurel und seiner Frau Faustina die Jüngere. Lucilla ließ sich als nackte Venusgöttin darstellen, um ihre Schönheit und Jugend zu betonen. Rechts und links von ihr erstrecken sich die beiden Flügel der neugestalteten Antikenhalle.

Wie Lucilla wählte auch Kaiser Antoninus Pius eine typische Darstellungsform, um bestimmte Eigenschaften zum Ausdruck zu bringen. In seinem Fall ist es die heute so genannte “Panzerstatue”, die ihn als erfolgreichen Feldherren darstellt. Schon Kaiser Augustus hat sich in dieser Weise, mit einem Panzer gerüstet, figürlich darstellen lassen. Zur Zeit als Pius regierte, muss es im Römischen Reich mehrere Tausend Statuen dieser Art gegeben haben, die aus Bronze oder aus Marmor gefertigt, auf öffentlichen Plätzen in Städten und Militärlagern standen. Die hier ausgestellte Dresdner Statue gehört zu den am besten erhaltenen Panzerstatuen. 

Keine Folge einer Doppelbelichtung sind die beiden Satyrstatuen. Im Gegenteil. Einst waren sie zur viert und schmückten einen römischen Theaterbau. Vier fast identische Statuen gemeinsam zu präsentieren ist nicht besonders originell, war aber vielleicht der Zeitnot während der Endphase der Arbeiten am Theater und seiner Ausstattung geschuldet. So erklärt sich auch, dass die Bildhauer das eigentliche Thema der Darstellung, das Einschenken, gar nicht mehr realisieren konnten und die Kannen kurzerhand weggelassen haben. So etwas kennt man auch z.B. vom Berliner Hauptbahnhof, deren Überdachung der Gleise nicht in der geplanten Länge ausgeführt wurde.

Eine extravagante Frisur zeigt die Frauenbüste einer Angehörigen der römischen Oberschicht. Wie stolz Sie darauf ist, zur besseren Gesellschaft zu gehören, kommt auch in der aufrechten und selbstbewussten Haltung des Kopfes zum Ausdruck.

An Selbstbewusstsein hat es wohl auch Maxentius nicht gefehlt. Die Ausstellung präsentiert den Kopf einer Kolossalstatue des Kaisers. Maxentius herrschte nur wenige Jahre und unterlag 312 n. Chr. in der Schlacht an der Milvischen Brücke bei Rom den Truppen Konstantins und ertrank im Tiber. Konstantin wurde später Konstantin der Große und machte das Christentum zur Staatsreligion.

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Die beiden Frauenbüsten in der Antikenhalle in Dresden zeigen den Kopf einer Muse mit Kiefernkranz vom Typus Euterpe (links) und eine Angehörige der kaiserlichen Oberschicht (rechts). Vermutlich zeigt das Bildnis Valeria Messalina, die zweite Frau des späteren Kaiser Claudius. In antiken Quellen wird sie als Nymphomanin dargestellt, die ihren Mann dauernd betrog. Trotzdem überlegte Claudius wohl, Messalina nach der Scheidung von ihr, noch einmal zu heiraten. Wie wir wissen, entschied er sich anders, ließ Messalina töten und heiratete Agrippina die Jüngere. Der Sohn den Agrippina die Jüngere mit in die Ehe brachte, wurde so der spätere Kaiser Nero.

Am Ende des Saals der Antikenhalle werden sie präsentiert: die Herkulanerinnen. Drei stehende Frauen, in vornehme Gewänder gehüllt. Sie bereicherten einst das Bühnengebäude des antiken Theaters in Herculaneum. Vermutlich stellten sie wohlhabende Bürgerinnen der städtischen Elite dar. Zwei von ihnen tragen idealisierte Köpfe, bei der dritten fehlt dieser und die Statue wurde später mit einem Einsatzkopf versehen. Auch er ist ausgestellt. Im Kern antik, wurde er im frühen 18. Jahrhundert umgearbeitet.

Im Jahr 79 n. Chr. verloren durch den Ausbruch des Vesuvs Tausende Menschen aus Herculaneum und Pompeji ihr Leben und viele weitere ihr Zuhause. Die Wiederentdeckung der bei der Katastrophe rund um den Vulkan verschütteten Gebiete ist für die Archäologie allerdings ein Glücksfall. In den Jahren 1710 und1711 fand man die Frauenstatuen, die zu den ersten wichtigen Funden gehören, die bei Grabungen auf dem Gelände der antiken Stadt Herculaneum gemacht wurden. Das die antiken Statuen damals nicht Marmorweiß sondern bunt angemalt waren, weiß man schon lange. Eine Ausstellung in Frankfurt beschäftigt sich damit und zeigt die Kleine Herkulanerin, wie sie seinerzeit wohl ausgesehen hat.

Der größte Teil der Ausstellungsfläche im Semperbau gehört jedoch nicht den antiken Statuen oder Büsten, sondern der Gemäldegalerie Alte Meister. Auch schön. Irgendwie.

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Skulpturensammlung in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Theaterplatz 1, 01067 Dresden

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