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Xanten – Der Limes am Niederrhein: Roms fließende Grenzen

Die Ausstellung Der Limes am Niederrhein in Xanten zeigt Originalfunde, moderne Rekonstruktionen und neue Forschungsergebnisse vom Leben der Menschen in den Militärlagern und Siedlungen am Rande des römischen Imperiums.

Eines der Highlights der Sonderausstellung in Xanten ist das lebensgroße Modell des römischen Reiters auf seinem Pferd. Schon von weitem ist er auf dem Ausstellungs-Banner am Museum zu sehen. Die Gesichtsmaske gibt ihm ein übernatürliches Aussehen und der sogenannte Hörnchensattel ermöglicht ihm einen festen Sitz auf dem Pferd. Steigbügel waren in der Antike noch nicht bekannt.

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Modell eines römischen Reiters aus dem ersten Jahrhundert. Oft dienten mit den Römern verbündete Germanen in der römischen Kavallerie.

Als erfahrener Soldat, die neun militärischen Auszeichnungen (Phalerae), die er auf der Brust trägt, zeigen das, würde er natürlich niemals in dieser Haltung kämpfen, sondern dem Gegner immer die Schildseite zuwenden. Wie das geht, zeigen die römischen Militärreiter der Gruppe Timetrotter in einem Video auf meinem Youtube-Kanal. Für die Ausstellung ist das natürlich nicht vorteilhaft, würde diese Stellung doch Teile der detailreichen Ausstattung und Ausrüstung des antiken Kavalleristen verdecken. Vielleicht soll das Modell den Reiter auch nicht im Kampfeinsatz während des Bataveraufstandes zeigen, sondern bei einem ritualisierten Kampfspiel. Denn nach wie vor ist ungesichert, ob die Gesichtshelme auch im Einsatz getragen wurden oder zur Paradeausrüstung römischer Reitersoldaten gehörten.

Weitere Highlights der Sonderausstellung Der Limes am Niederrhein sind zwei römische Schiffe der Classis Germanica, der römischen Rheinflotte. Zunächst als kleine Modelle im Bereich der Sonderausstellung im Museum, dann auch als originalgetreue Nachbauten in einem Zelt auf dem Gelände des Archäologischen Parks. Der Lastensegler Minerva Tritonia und das Patrouillenboot Quintus Tricensimanus sind das Ergebnis eines Inklusionsprojektes mit jungen Männern mit Behinderung und wurden in der Schiffswerft des Römermuseums in Xanten originalgetreu nachgebaut. Mehr über die römische Marine kann man übrigens im Mainzer Museum für Antike Schifffahrt erfahren.

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Die Quintus Tricensimanus, Nachbau einer römischen Lusorie aus dem vierten Jahrhundert. Solche fast 18 Meter langen Patrouillenboote sicherten die Flussgrenzen des römischen Imperiums.

Da nur ein Teil der Sonderausstellung Der Limes am Niederrhein im Untergeschoss des LVR-Römermuseum untergebracht werden konnte, wurde ein neuer Ausstellungspavillon errichtet. Ein begehbarer Limes durchzieht auf dem Boden den neuen Limes-Pavillon mit Informationen über die wichtigsten militärischen Standorte und zivilen Anlagen. Über allem schwebt gleich im Eingangsbereich das Zitat des römischen Dichters Virgil über das Imperium sine fine – die Herrschaft ohne Ende, welche der Gott Jupiter den Römern gegeben hat.

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Der neuer Ausstellungspavillon auf dem Gelände des Archäologischen Parks Xanten.

An den Wänden gibt es Videoinstallationen, beispielsweise über die militärische Ausrüstung der römischen Legionäre vom 1. bis 4. Jahrhundert, aber auch Rekonstruktionen von Grabsteinen, die einen Einblick in der Leben der Menschen am Limes geben. Zum Beispiel in das von Polla Matidia, einer frei geborenen Frau mit römischen Bürgerrecht. In welchem Verhältnis sie zu dem wesentlich älteren Lucius Julius stand, ist nicht bekannt. Der war nach 20-jährigem Dienst aus der Legion ausgeschieden und hatte sich am Niederrhein zur Ruhe gesetzt. Vielleicht waren sie verheiratet.

Sonderausstellung Der Limes am Niederrhein im Rahmen der archäologischen Landesausstellung Nordrhein-Westfalen 2021/2022 im LVR-RömerMuseum Xanten noch bis zum 16. Oktober 2022.

Die weiteren Standorte der archäologischen Landesausstellung: Bonn, Detmold, Haltern, Köln.

Eine weitere sehr schöne lebensgroße Figur eines römischen Reiters auf seinem Pferd kann man im Roman Army Museum in England bewundern.

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