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Ostia Antica: Sonntag, Sonne, Stadtbummel

Ein sonniger Sonntag lädt zum Stadtbummel durch Ostia Antica ein. Ein Spaziergang durch die Straße des Brunnens, am Neptunbad vorbei, um den Platz der Korporationen, über das Forum und in die Straße der Wagenlenker. Leider wird im Haus der Weinstube in Roms einstiger Hafenstadt Ostia nichts mehr ausgeschenkt.

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Straße des Brunnens in Ostia Antica

Die Straße des Brunnens führt von der Hauptstraße in Ostia Antica zum nahen Fluss Tiber. Im Westen befanden sich überwiegend Wohnungen, im Osten die Thermen des Neptun. Dahinter die Kaserne der Feuerwehr.

Die Hauptstraße von Ostia war die in Ost-West-Richtung verlaufende Decumanus Maximus, die am Theater vorbeiführt und beim Kapitol im rechten Winkel auf die kleinere und nicht so breite zweite Hauptstraße, den Cardo Maximus, der in Nord-Süd-Richtung verlief, trifft. In vielen Städten Europas, die die Römer anlegten, findet man noch heute diese Straßenverläufe.

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Hauptstraße Decumanus Maximus

Ein schönes Gebäudeensemble sind die Häuser an der Via dei Balconi und der Via di Diana in Ostia Antica in der oberen Fotoreihe. Das Haus der Diana wurde in den Jahren 1914-1916 ausgegraben und stammt wohl aus der Zeit um 150 nach Chr. Entlang der West- und Südfassade verläuft ein Gehweg. Die Aufnahmen habe ich vom Haus der Weinstube aus gemacht. Einkehren kann man dort zwar wieder, aber es wird leider nichts ausgeschenkt.

In der Mitte der unteren Fotoreihe sieht man das wohl bekannteste Lagerhaus Ostias. Es ist nämlich der einzige Speicher, dessen Eigentümer namentlich bekannt ist. Die Marmorplatte über dem Eingang nennt Epagathus und Epaphroditus als Inhaber. Vermutlich wurde es zwischen 145 und 150 nach Chr. errichtet. Anfang der 1920er und Ende der 1930er Jahre wurde das Gebäude ausgegraben und umfangreich restauriert. Das rechte Foto zeigt die Reste des Kapitols von Ostia mit seinem Jupiter, Juno und Minerva geweihten Tempel. Das linke Foto zeigt die Ruinen der Thermen der Sieben Weisen mit dem schönen Mosaikboden.

Der Phantasie, wie es in der antiken Hafenstadt einst aussah, helfen einige großformatige Illustrationen auf die Sprünge. Teilweise schon etwas verwittert, zeigen die an verschiedenen Stellen des archäologischen Parks aufgestellten Tafeln eine dichte urbane Bebauung mit großen Wohnblöcken, gepflasterten Straßen, Theatern, Themen und Tempeln. Das Bild des antiken Ostias ist geprägt von roten Ziegeln, weißem Marmor und dem Blau des Himmels und des Meeres.

Der Platz der Korporationen ist einer der berühmtesten Orte in Ostia. Auf dem Platz hinter dem Theater sind viele Mosaikinschriften und -darstellungen zu sehen. Es sind wohl die Firmenlogos von Handelshäusern und Schifffahrtslinien aus dem ganzen Mittelmeerbereich. Auf dem Foto rechts war einst wohl das Büro der Hafenstadt Musluvium im heutigen Algerien. Man nimmt an, das hier vor allem die Einfuhr von Fisch und Fischsauce abgewickelt wurde.

Manche der Gebäude in Ostia Antica geben interessante Einblicke in Details, wie das Säulenkapitell aus den Forumsthermen oder die Tibuli, die Hohlziegel an der Wand, durch die warme Luft aus dem Hypokaustum unter dem Boden geleitet wurde. Das Grabmal des Caius Cartilius Poplicola erinnert an einen bedeutenden Bürger von Ostia im ersten Jahrhundert. Er war achtmal Bürgermeister der Stadt und der Beiname Poplicola (Freund des Volkes) wurde ihm von den Ostianern wohl in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt verliehen.

Von der Basilika Ostias zeugen noch Säulenreste in der Südhälfte des Forums. Diese große Halle wurde sowohl für Geschäftsvereinbarungen als auch für Gerichtsverhandlungen genutzt. Das Mauerwerk deutet auf eine Datierung in die Zeit zwischen den Kaisern Domitian und Trajan (81-117 n. Chr.) hin. Einen Tempel an prominenter Stelle an der Hauptstraße von Ostia errichtete die Vereinigung der Bauhandwerker (collegia fabri tignuarii). Hinter dem Tempel lag ihr Vereinssitz. Ähnlich wie in modernen Vereinen schlossen sich in den antiken Kollegien Menschen mit gleichen Interessen zusammen, regelten ihre inneren Angelegenheiten in einer Satzung und waren Teil des öffentlichen Lebens der Stadtgesellschaft. Die Bauhandwerker widmeten ihren Tempel dem römischen Kaiser Pertinax, der nach dem Bürgerkrieg von seinem Nachfolger Septimius Severus im Rahmen des Kaiserkults zum Gott erhoben wurde.

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Die Straße der Wagenlenker in Ostia Antica

Vielleicht mein Lieblingsort in Ostia Antica ist der Bereich um die Straße der Wagenlenker. An der Südseite der Straße liegt das Haus der Wagenlenker, an der Nordseite die Thermen der Sieben Weisen. Auf der Westseite verläuft eine damals überdachte Straße, die von großen Bögen überspannt wurde. Auf der Ostseite lag das Heiligtum der drei Schiffe.

Kommt man dem Haus der Wagenlenker näher, fällt der Blick über die Häuserruinen und den Pinienbaum auf die sich eröffnende Hügellandschaft. Ein schönes Bild von Aufstieg und Niedergang, vom Wandel der Zeit und dem, was die Zeit überdauert.

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Wie die Römer wohnten und wie das mit dem sozialen Status zusammenhing, vermittelt ein Video von zwei Berner Studenten in ihrem Geschichtskanal auf Youtube. Wer detaillierte Pläne, Fotos und Rekonstruktionszeichnungen der Gebäude des antiken Ostia sucht, wird auf den Webseiten einer Gruppe von Archäologen fündig.

Vor zehn Jahren war ich schon einmal in Ostia Antica, die Fotos und den Text findet man hier. Aktuelle Besucherinformationen stellt die Webseite des Archäologischen Parks von Ostia zur Verfügung.

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