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Römische Stadtvilla Pompejanum

Vor 175 Jahren ließ König Ludwig I. nach pompejanischem Vorbild eine römische Stadtvilla neu bauen. Nach Zerstörungen und Restaurierungen vermittelt das Pompejanum in Aschaffenburg lebendige Einblicke in die Wohnkultur der römischen Oberschicht.

Am Hochufer des Mains in Aschaffenburg steht der Nachbau einer antiken römischen Stadtvilla, das Pompejanum. Angeregt durch die Ausgrabungen im antiken Pompeji und den traurigen Verfall der seinerzeit ans Tageslicht gebrachten farbenprächtigen Wandmalereien ließ König Ludwig I. von Bayern die idealisierte Nachbildung eines römischen Wohnhauses in Aschaffenburg errichten. Die von 1840 bis 1848 gebaute Villa sollte den kunstbegeisterten Zeitgenossen das Studium der antiken Kultur ermöglichen.

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Eingang in das Museum Pompejanum in Aschaffenburg.

In idealtypischer Weise zeigt das Pompejanum, wie die Innenräume einer römischen Stadtvilla angeordnet waren und welche farbenprächtigen Wandmalereien sie schmückten. Der Eingang führt zuerst in die Säulenhalle, das Atrium, mit dem in der Antike offenen Dach und dem darunter liegenden Wasserbecken, dem Impluvium. Daran an schließt sich der Empfangsraum, das Tablinum. Dahinter liegt eine zweite Säulenhalle, das Peristylium, die den Garten, das Viridarium, umgibt. Rechts und links dieser Mittellinie liegen mehrere Schlafzimmer (Cubiculum), Räume für Geräte, Wertgegenstände, Sklaven und Gäste. Im hinteren Teil des Gebäudes befinden sich Küche (Cucina) und Toilette (Latrina), auf der anderen Seite zwei Speisezimmer (Triclinium) zur Nutzung im Winter und im Sommer.

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Das Atrium mit der bronzenen Brunnenfigur eines laufenden Knaben mit Trompete im Wasserbecken, umgeben von 12 dorischen Säulen.
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Der mit aufwändigen Wand- und Deckenmalereien und einem Mosaikfußboden geschmückte Empfangsraum der Stadtvilla. Hier empfing das Familienoberhaupt in seiner Eigenschaft als Patron die ihm zur Loyalität verpflichteten Klientel.
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Teil des Gartens im Pompejanum

Zentral im Eingangsbereich liegt das Atrium mit der bronzenen Brunnenfigur eines laufenden Knaben mit Trompete im Wasserbecken (Impluvium). Rechts ein offener Seitenraum (Ala) zwischen zwei Schlafzimmern (Cubiculum) mit der Bronzefigur eines tanzenden Satyrs. Weitere Bilder zeigen die beiden Speisezimmer (Triclinium), die ihre Namen von den Speisesofas (Klinen) haben. Meist drei der namensgebenden Klinen standen in einem Speisezimmer um einen Tisch. Das im Sommer genutzte Speisezimmer liegt direkt neben dem Garten. Das in den Wintermonaten genutzte Triclinium wurde mit einem Kohlebecken geheizt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Pompejanum schwer beschädigt und danach in mehreren Phasen bis in die 1990er Jahre restauriert und vervollständigt. Einige wenige Räume zeigen heute noch den Zerstörungszustand von 1945, mit teilweise neu aufgemauerten Wänden und den gesicherten und gefestigten Resten der alten Wandmalereien.

Die Wandmalereien wurden bereits wenige Jahrzehnte nach ihrer Entstehung aufgrund der damals verwendete Maltechnik zum ersten Mal Restaurierungsbedürftig. Zwischen 1894 und 1934 erneuerte der Kunstmaler Adalbert Hock die beschädigten und abblätternden Wandbilder und malte in weiten Bereichen die völlig verschwundenen Teile neu. Bomben und Granaten in den letzten Jahres des Zweiten Weltkrieges, Nässe, Feuchtigkeit und Vandalismus in den Nachkriegsjahren, setzen dem Pompejanum dann richtig übel zu.

Nach den Restaurierungsphasen wirken Malereien und Mosaike, Skulpturen und Büsten wieder nahezu wie neu und sind schön anzusehen.

In den Räumen des ersten Obergeschosses des Pompejanum sind seit Mitte der 1990er Jahre römische Kunstwerke aus den Beständen der Staatlichen Antikensammlungen und der Glyptothek in München zu sehen.

Unterhalb des Pompejanum wurde in der 50er Jahren eine Rebfläche angelegt, die je zur Hälfte in städtischem und staatlichen Besitz ist. Hier wächst der Aschaffenburger Pompejaner. Die Außenanlage um den Nachbau der römischen Stadtvilla ist mit Rosenbüschen und Agaven gestaltet.

Zeit seines Lebens begeisterte sich Ludwig für die Antike. Er erwarb eine bedeutende Sammlung antiker Skulpturen und Vasen, für die er in München die Glyptothek erbauen ließ. Er engagierte sich für den Unabhängigkeitskampf der Griechen, in deren Land sein zweiter Sohn Otto später König war. Nach seiner Thronbesteigung 1825 ließ König Ludwig I. zahlreiche Prachtbauten ausführen, unter anderem die Walhalla bei Regensburg, die Befreiungshalle bei Kelheim und das Pompejanum in Aschaffenburg. Auch andere Könige und Adelshäuser ließen sich bei der Gestaltung von Gebäuden und Parks von der Antike inspirieren.

Pompejanum – Aschaffenburg auf den Webseiten der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen

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