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Das römische Nyon bei Sonnenaufgang

Mehr als 400 Jahren herrschten die Römer in der heutigen Schweiz. Aus dem römische Nyon stammt das vielleicht schönste Erbe aus dieser Zeit. Drei Säulen vom Forum vor der Kulisse des Genfer Sees.

Morgens um fünf Uhr verlasse ich das Hotel in Genf. Mein Ziel ist das römische Nyon. Eine Stunde später bin ich am Bahnhof der Schweizer Kleinstadt angekommen. Rechtzeitig, um die Säulen vom Forum der römischen Colonia Iulia Equestris bei Sonnenaufgang vor der Kulisse des Genfers Sees und der französischen Alpen zu fotografieren. Der Weg durch die Altstadt ist kurz, die Straßen noch menschenleer. Und dann bin ich da, an dem kleinen Platz an der Promenade des Vieilles Murailles.

Die Säulen aus der Mitte des ersten Jahrhunderts wurden hier bereits im Jahr 1958 aufgestellt, als Nyon seinen 2000sten Geburtstag feierte. Ursprünglich gehörten sie zum Tempelbezirk auf dem Forums, der sich heute unter dem Stadtzentrum befindet.

Da das örtliche Römermuseum erst um 10 Uhr öffnet, bleibt genug Zeit für ein Frühstück mit Seeblick. Kaffee und Croissants hole ich mir von der Boulangerie Bonnin und setze mich auf eine Bank an der Uferpromenade. Ab und zu gehen ein paar Einheimische mit ihrem Hund vorbei, aus dem Yachthafen hinter mir läuft ein Segelboot aus.

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Sonnenaufgang am Genfer See bei Nyon

Um 45 v. Chr., kurz nach der Eroberung Galliens, gründeten die Römer am Ufer des Genfersees die Colonia Iulia Equestris, um ihre Präsenz in dieser Region zu festigen. So machten die Römer das überall.

Vermutlich handelte es sich um eine Militärkolonie, die für die Unterbringung von Veteranen aus Cäsars Armee gedacht war. Wahrscheinlich veranlasste noch Julius Cäsar selbst die Gründung. Zumindest deutet der Name Iulia auf die Julier, die Familie von Cäsar hin. Wahrscheinlich waren unter den Veteranen Angehörige des Ritterstandes, worauf die Bezeichnung Equestris verweist. Nyon ist wohl einige Jahre älter als die beiden benachbarten Stadtgründungen Lyon und Augst bei Basel, die ebenfalls nach den Gallischen Kriegen entstanden.

Heute liegen die Überreste der römischen Stadt weitgehend unter dem Stadtzentrum von Nyon begraben. So wie die Reste der Basilika, die einst auf dem Forum stand und in der Gerichtssitzungen stattfanden und Geschäfte gemacht wurden. Seit 1979 ist das Römische Museum in den Fundamenten dieses Verwaltungsgebäudes aus dem ersten Jahrhundert untergebracht. Es präsentiert das Erbe der Colonia Iulia Equestris und ihres städtischen Zentrums Noviodunum.

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Statue von Julius Cäsar in der Nähe des Museums. Auf der Häuserwand ist das antike Forum illustriert.

Das Römermuseum präsentiert Büsten, Mosaike, Amphoren und Hinterlassenschaften aus Handwerk und Handel, aus religiösem Leben und Alltagsleben.

Ab dem Ende des dritten Jahrhunderts trat eine Phase des Niedergangs ein. Die Bauten Noviodunums verfielen und lieferten rund um den Genfersee Baumaterial für Stadtbefestigungen und Kirchen. Im Jahr 401 fallen die germanischen Goten in Italien ein und die Römer geben die Gebiete nördlich der Alpen auf. Römische Strukturen überdauerten das Ende ihrer Herrschaft in Teilen der Schweiz noch bis ins Frühmittelalter.

Das römische Nyon: Mehr darüber auf der Webseite des römischen Museum in Nyons. Die einstigen Forumssäulen auf Google-Maps.

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