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Antikes Stadtzentrum Brixia Capitolium

Römische Stadtplanung war ein Exportschlager und baulicher Ausdruck des römischen way of life: Zwei sich kreuzende Hauptstraßen mit Forum, Capitolium und öffentlichen Gebäuden bildeten stets das Stadtzentrum. Ein kleines Rom war auch das antike Brixia, das heutige Brescia in Norditalien.

Die Piazza del Foro ist heute nicht viel mehr als eine Nebenstraße zwischen den Häusern in der Altstadt Brescias. In römischer Zeit war hier das Forum von Brixia, das politische, juristische, ökonomische und religiöse Zentrum der Stadt. Ein fußballfeldgroßer gepflasterter Platz, umgeben von Säulengängen. Von dem Forum ist heute nur noch eine 6,5 m hohe korinthische Säule aus Marmor zu sehen. Sie steht knapp 5 m unter dem Boden des heutigen Straßenniveaus.

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Überreste des einstigen Forum von Brixia

An der Südseite des Forums stand in römischer Zeit die Basilika, eine für Gerichtsverhandlungen und Versammlungen genutzte große Halle, an der Nordseite das Capitolium, der Tempel für die Staatsgötter Jupiter, Juno und Minerva. Sein Vorbild war der Tempel auf dem Kapitol in Rom. Ein Capitolium wie in Brixia wurde zunächst nur in den römischen colonia errichtet, in Städten in denen Zivilisten oder Veteranen der Legionen mit römischem Bürgerrecht angesiedelt wurden. Später wurden Tempel für die Staatsgötter auch in Städten errichtet, die eine besondere Verbundenheit mit dem Römischen Reich ausdrücken wollten. Der Kapitolstempel lag stets in der Nähe des Forums im Stadtzentrums und dort möglichst an erhöhter Stelle.

Von der Treppe, die durch die hohen Säulen in die Vorhalle des Tempels führt, sind teilweise noch die originalen Marmorstufen erhalten, ebenso vier der ursprünglich sechs korinthischen Säulen des Vorbaus und ein Teil der Inschrift. Daher weiß man, dass der Tempel unter Kaiser Vespasian im Jahr 73 nach eingeweiht wurde. Man geht davon aus, dass der Tempel im Zusammenhang mit Vespasians siegreicher Schlacht in der Nähe von Brixia über Vitellius stand. Im sogenannten erste Vierkaiserjahr bekriegten sich verschiedene Statthalter und Feldherren in der Nachfolge des römischen Kaisers Neros.

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Die Säulen der Vorhalle des Kapitolinischen Tempels

Quer vor dem Kapitolinischen Tempel verläuft die einstige decumanus maximus, die zentrale Ost-West-Straße einer römischen Stadt. Heute heißt sie Via dei Musei und führt in westlicher Richtung zum Stadtmuseum Santa Giulia und in der anderen Richtung zum Torre di Porta Bruciata. In der Römerzeit war dies der östliche Ausgang der Stadt.

Die Struktur des Tempels ist die des klassischen römischen Kapitols mit drei Räumen. Hinter der Frontseite der Fassade mit den sechs Säulen im korinthischen Stil befinden sich die drei cella für Jupiter in der Mitte, Juno auf der linken und Minerva auf der rechten Seite.

Während der Germaneneinfälle im vierten Jahrhundert wurde das Capitolium in Brixia von einem Feuer zerstört und danach nicht wiederhergestellt. Im Mittelalter begrub dann ein Erdrutsch die Ruine. Bei archäologischen Ausgrabungen Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Überreste des Kapitolinischen Tempels entdeckt und teilweise wiederaufgebaut. U.a. fand man auch die berühmte Bronzestatue der geflügelten Victoria und im Bereich der mittleren cella wurden Teile der vier Meter hohen Marmorstatue des auf dem Thron sitzenden Jupiter Optimus Maximus gefunden.

Die cella werden heute als Lapidarium genutzt, in den Wänden sind römische Steinwerke eingefasst, darunter Bögen, Ehren- und Grabinschriften, Grabstelen, Meilensteine ​​und andere Denkmäler. Die Fußböden bestehen zum Teil noch aus dem antiken Botticino-Marmor. In den 1930er Jahren wurde der archäologische Komplex teilweise umgebaut. Im Jahr 2015 eröffnete dann nach umfangreichen Modernisierungsarbeiten das Capitolinum von Brescia in seinem heutigen Zustand. Über die Arbeiten gibt es vom Tourismusamt ein schönes Video. Bald wird auch wieder die Bronzestatue Victoria von Brescia, wieder hierher zurückkehren.

Unmittelbar östlich neben dem Capitolium in Brixia steht das römische Theater. Ein Teil der Sitzreihen, die direkt in den Hang des Cidneo-Hügels gebaut wurden, sind heute noch erhalten. Ebenso ein Teil des oberen Zugangs zu den Sitzreihen. Der typische halbkreisförmigen Bereich direkt vor der Bühne ist nicht freigelegt worden. Auch das Bühnengebäude, dessen Fassade zur decumanus maximus hin lag, steht nicht mehr.

Das Theater wurde in der Zeit der flavischen Kaiser Vespasian und seinen nachfolgenden Söhnen Titus und Domitian gebaut, vielleicht über einem vorhandenen kleineren Theater aus der Zeit Kaiser Augustus. Ende des 2. Jahrhunderts unter den severischen Kaisern wurde das Theater vollständig restauriert und erlebte damals seine Glanzzeit. In der Spätantike begann der langsame Verfall des Theaters, dass aber über Jahrhunderte noch als Platz für öffentliche Versammlungen genutzt wurde. Nach ersten Restaurierungsmaßnahmen wurden die Überreste des römischen Theaters im Oktober 2014 wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein Video zeigt, wie das Theater einmal aussah.

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Obere Zugänge zu den Sitzreihen im römischen Theater

Unter dem Capitolium in Brixia aus der Zeit Kaiser Vespasians befanden sich verschiedene kleine Tempel aus der Zeit der Römischen Republik um etwa 75 bis 95 vor Christus. Die Räume des westlichsten diese Tempel erhalten und zu besichtigen. Sie zeichnen sich durch die gut erhaltenen Wandmalereien aus. Ein informatives Video zeigt hier, wie sich Brescia im Laufe der Jahrhunderte entwickelt und verändert hat.

Das antike Brixia war eine Siedlung des keltisch-gallischen Volksstammes der Cenomanen. Die kämpften mal mit den Römern gegen andere gallische Stämme, mal gegen die Römer im ersten punischen Krieg. Im Jahr 196 v. Chr. schlossen sie Frieden mit den Römern. Später siedelte Kaiser Augustus hier römische Bürger an und erhob Brixia in den Stand einer colonia. Die Colonia Civica Augusta war die einzige in Norditalien. Die Stadt zählte etwa 6000 Einwohner, von denen einigen ein wirtschaftlicher und sozialer Aufstieg gelang. Hiervon zeugen die Reste gut ausgestatteter römischer Häuser, die man im Stadtmuseum Santa Giulia besichtigen kann und die einst an der decumanus maximus in Brixia standen.

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Via dei Musei. In der Antike die decumanus maximus von Brixia

An der römischen Antike haben sich auch andere Stadtplaner orientiert. In den 1930er Jahren ließ Mussolinis faschistische Partei im Stadtzentrum von Brescia zeitgenössisch im Stil des Rationalismus neu bauen.

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