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Antikensammlung im Liebieghaus

Wenn man in Frankfurt ist, lohnt sich ein Besuch im Museum Liebieghaus Skulpturensammlung. Ich fotografiere gerne in der Antikensammlung. Das macht Spaß und man kann immer wieder Neues entdecken.

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Römische Marmorkopie aus der Zeit um Christi Geburt der griechischen Göttin Athena im Liebieghaus in Frankfurt. Der griechische Bildhauer Myron hat sie im fünften Jahrhundert vor Chr. zusammen mit der Statue des Satyr Marsyas als Bronzegruppe erschaffen.

Ein schönes Fotomotiv ist die Statue eines Diskuswerfers. Der griechische Bildhauer Naukydes hat sie erschaffen. Ein junger Athlet im Augenblick der größten Konzentration und Körperausrichtung. Der Blick sammelt sich, die rechte Hand mit den gespreizten Fingern vermisst die Wurfbahn.

Auch der Kopf des Götterboten Hermes lädt zu neuen Perspektiven ein. Betrachtet man ihn von der Seite, schwebt sein Kopf über dem Korpus einer anderen Skulptur. Von den anderen Seite aus fotografiert, ist ein Museumsbediensteter mit im Blick.

Ein origineller Schnappschuss ist mir mit der Besucherin und der Musengruppe von Agnano gelungen. Sie bückt sich gerade, um die Informationstafel zu lesen und so ist ihr Kopf nicht mehr zu sehen. Passt perfekt zu den kopflosen Schutzgöttinnen der Künste aus der Zeit des Späthellenismus. Musen in voller Größe habe ich im März im Madrider Prado bewundern können.

Der schöne Grabaltar mit den Widderköpfen ist einer Claudia Ias aus Rom gewidmet und auf das erste Jahrhundert datiert. Mehr Informationen sind leider nicht angegeben. In einem Beitrag über Inschriften habe ich den Hinweis gefunden, dass gleichnamige Personen mit dem Namen Claudia Ias zu den unteren Schichten der Stadtbevölkerung gehörten. Wer diese Claudia Ias war und wie sie dann zu einem doch aufwändigen Grabmal gekommen ist, würde ich gerne wissen.

Der andere Marmorblock mit Inschrift ist eine Seite eines Larenaltars für die Schutzgeister der Wege und Häuser. Datiert auf das Jahr sieben vor Christus. Die Inschrift nennt Ministri des Vicus Censori. Bei letzterem handelt es sich wohl um den Stadtteil oder Straßenzug auf der Tiberinsel in Rom. Bei Ministri würde ich in diesem Zusammenhang eher an Mitglieder von privaten Vereinigungen denken, die für bestimmte religiöse und kultische Aufgaben in ihrem Stadtteil zuständig sind. Mit Ministri scheinen aber Sklaven gemeint zu sein. Falls jemand mehr dazu weiß, bin ich für einen Hinweis über die Kommentarfunktion dankbar.

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Zwei weitere schöne Stücke im Liebieghaus sind das Mumienbildnis eines Mädchens und die Teile eines Reliefs des Stier tötenden Mithras mit seinen Begleitern Cautes und Cautopates. Der Mithraskult war ein seit dem 1. Jahrhundert im gesamten Römischen Reich verbreiteter Mysterienkult, der vor allem bei Soldaten beliebt war. Die Zeremonien fanden in unterirdischen Mithräen statt. Im Zentrum des Kultes stand die Figur des Mithras, der den Urstier tötet.

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Mumienbildnis eines Mädchens. Römisches Ägypten, 120-150 n. Chr. Auch zur Zeit der römischen Herrschaft in Ägypten wurden die alten Bestattungssitten aus pharaonischer Zeit nicht aufgegeben. So wurden die Verstorbenen weiterhin einbalsamiert und in Form der Mumie beigesetzt. Als neues Element wird zuweilen das auf eine Holzplatte gemalte Porträt des Toten in den Mumienkörper eingefügt.

Das Frankfurter Museum ist auch für seine Polychromieforschung und Farbrekonstruktionen von Marmor- und Bronzestatuen bekannt, die im Liebieghaus und in Wanderausstellungen präsentiert werden. Die Schau im Alten Museum in Berlin führte Antiken aus dem Liebieghaus mit den Skulpturen meines Lieblingsmuseums in Berlin zusammen.

Liebieghaus Skulpturensammlung auf Google-Maps.

Webseite der Liebieghaus Skulpturensammlung

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2 Replies

  1. Wie immer hervorragend photographiert, dargestellt und beschrieben vom römischen Experten. Außer dem Frankfurter Museum mit seinen Statuen und Grabaltar und Mumienbild rege ich an, die frühen römischen Funde einmal darzustellen wie den Unterliederbacher 4 Götterstein im römischen Steinsaal des Wiesbadener Museums oder das 1937 von Woelke entdeckte Sossenheimer römische Gräberfeld unterhalb des Sossenheimer Bahnhofs.

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