Römer

Lage, Lage, Lage … das antike Soluntum

Auf drei Dinge kommt es beim Wert von Immobilien an, sagt eine bekannte Weisheit: Lage, Lage, Lage. Die Lage vieler Häuser des antiken Soluntum, am Hang des Monte Catalfano mit Blick auf das Tyrrhenische Meer, konnte schon vor 2000 Jahren überzeugen.

Während in anderen Bergsiedlungen auf Sizilien die gute Verteidigungsfähigkeit in Friedenszeiten ihre Notwendigkeit verlor und die Bewohner in die Täler zogen, statt alles immer den Berg herauf zu schleppen, gaben die Soluntumer ihre Stadt auch im römischen Frieden nicht auf. Der kam während des ersten Punischen Krieges, als das von Karthagern gegründete und von Griechen besiedelte Solunto im Jahr 254 v. Chr. römisch wurde und fortan Soluntum hieß.

Die Jahre der kriegerischen Auseinandersetzungen endeten, bald auch auf ganz Sizilien, die Stadt prosperierte und erlebte ihre Blütezeit in den nachfolgenden beiden Jahrhunderten. Der Wohlstand stieg, reiche Bürger finanzierten Straßen und öffentliche Bauten. Die Agora, der zentrale Versammlungs- und Marktort der Stadt, wurde mit einem Theater und einer neuer Stoa erweitert. Im angrenzenden Tempelbezirk wurde die große Zeus-Statue geweiht, die heute im Archäologischen Museum im nahen Palermo steht. 

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“Von Antallos, Sohn des Asklapos, aus der Familie der Ornichoi erfährt man, dass er die Pflasterung der Hauptstraße aus eigenen Mitteln bezahlt hat.”

Auch heute noch wird die einstige Hauptstraße Soluntums genutzt. Den Straßennamen Via dellAgora bekam sie nach den Ausgrabungen. Eines der wichtigsten öffentlichen Gebäude war die Regenwasserzisterne der Stadt, von der heute noch die Sockel der Pfeiler zu sehen sind. In Misenum bei Neapel kann man die riesige Wassserzisterne besichtigen, die die Römer zur Versorgung der dort stationierten Marinesoldaten in den Fels geschlagen haben. Die meisten Grundmauern der Gebäude von Soluntum sind noch erhalten. Neben dem Meerblick ist heute auch der Blick auf das Festland und die sich durch die Landschaft ziehende Autostrada 19 schön.

Auch die reiche Ausstattung verschiedener Wohnbauten zeigte den Wohlstand ihrer Bewohner. Auf vielen Bildern von Soluntum sieht man die sechs Säulen und weiteren Überreste eines Gebäudes, das wegen einer gefundenen Inschrift als Gymnasium bekannt geworden ist. Tatsächlich ist es aber keine öffentliche Sport- und Bildungseinrichtung, sondern ein mehrstöckiges privates Wohn- und Geschäftshaus.

Das Gebäude mit der für Soluntum typischen Hanglage befand sich an der Hauptstraße und hatte im Erdgeschoß verschiedene Läden und Geschäfte. Der Eingang zum Wohnbereich in den hinteren Räumen und oberen Stockwerken lag in einer Seitenstraße. Die Säulenreste gehörten einst zu einem zweistöckigen Peristyl, einem Innenhof, der von Säulengängen umgeben war. Sie wurden im 19. Jahrhundert wiederaufgerichtet. Die Rekonstruktionszeichnung auf der Informationstafel im archäologischen Gebiet von Solunt zeigt ein Haus, von dem sicher unsere germanischen Vorfahren zu der Zeit mehr als beeindruckt gewesen wären.

Innen waren einige Räume des Hauses reich mit Mosaikböden und Wandgemälden geschmückt, wie man sie auch in anderen Gebäuden in Soluntum gefunden hat. Auch Marmorstatuen gehörten zur Wohnkultur einer sehr wohlhabenden Oberschicht. Später kam der römische Way of life auch nach Germanien. Ganz Germanien? Bekannterweise nicht.

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Wandmalerei aus Soluntum
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Marmorstatue einer Muse aus dem Haus der Leda

Wandmalereien und Mosaikböden wurden auch im Haus der Girlanden in Soluntum gefunden. Es steht ganz im Norden der Stadt, nördlich von der einstigen Agora und hat seinen Namen von dem hochwertig ausgestatteten Tablinum. Dieser Raum diente dem Familienoberhaupt als Repräsentationsraum, in dem er in seiner Eigenschaft als Patron der Menschen in seinem Viertel seine Klienten empfing, sich um ihre Sorgen und Nöte kümmerte oder die ihm zustehende Unterstützung bei Geschäften oder öffentlichen Angelegenheiten einforderte. Bei vornehmen Familien standen im Tablinum die Büsten der Vorfahren.

Die Bedeutung dieses Raumes wussten die antiken Architekten durch eine entsprechende bauliche Gestaltung zu unterstreichen. Das Tablinum lag gegenüber dem Hauseingang, hinter dem offenen Atrium und gewährte durch seine häufig offene Rückwand oder seine großen Fenster, eine beeindruckende Blickachse vom Eingang des Hauses, durch das Atrium und das Tablinum bis in den Garten.

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Nicht alle Häuser in Soluntum waren derartig luxuriös wie das sogenannte Gymnasium und das Haus der Girlanden. Schön ging auch bescheidener, wie beispielsweise im Haus des Mosaikkreises. Hier besteht der Boden aus einem Estrichmörtel mit wasserdichter Oberfläche. Zur Herstellung wurde ein Gemisch von groben und feinen Kiesen, Sand, Ziegelmehl oder natürlicher Puzzolanerde verwendet. Mit Leinöl, gelöschtem Kalk oder Wachs wurde die Oberfläche dann versiegelt und so lange poliert, bis sie glatt wie Marmor wurde. Mit häufig weißen oder schwarzen Steinchen im Estrich wurden ornamentale Mosaiken erzeugt.

Das sieht mit ordentlich verputzten und farbig gestrichenen Wänden auch sehr schön aus. Sogar 2000 Jahre später noch. Vor allem, wenn die Sonne scheint, die Blumen blühen und der Blick über das Meer schweift. Schöner ist es dann nur noch in Taormina.

Archäologisches Gebiet von Solunto
Via Collegio Romano, 90017 Solunto, Santa Flavia PA, Italien.

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