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Die Antiken in den Vatikanischen Museen: Museo Pio Clementino

Das Museo Pio Clementino ist die Keimzelle der Antikensammlung der Päpste. Zum Beginn des 16. Jahrhunderts wurde im Vatikan eine außergewöhnliche Sammlung antiker Skulpturen eingerichtet. Mit ihr sollte das Rom der Antike im Rom der Päpste neu belebt werden.

Benannt wurde das Museo Pio Clementino nach den Namen seiner Gründer, Klemens XIV Ganganelli (1769-1774) und Pius VI. Braschi (1775-1799). Viele antike Skulpturen erhielten hier einen neuen Platz. Oftmals wurden sie in den verschiedenen Epochen durch die Restauratoren ihrer Zeit vervollständigt. Heute sind die Skulpturen auf mehrere Säle des Museo Pio Clementino verteilt.

Das Kabinett des Apoxyomenos ist einer der ersten Säle. Seinen Namen verdankt er der berühmten Marmorkopie eines Bronzeoriginals des griechischer Bildhauers Lysipp. Der Begriff Apoxyomenos leitet sich vom griechischen Verb „abschaben” ab und bezieht sich auf eine Praxis aus dem antiken Griechenland. Die Athleten rieben sich vor einem Wettkampf mit Öl ein, danach reinigten sie sich mit Hilfe von Sand und einer Art gekrümmten Löffel, der Strigilis genannt wurde. Die Marmorstatue stellt einen Athleten dar, der sich mit dem Striegel in der linken Hand Sand und Öl vom ausgestreckten rechten Arm entfernt. Im Kunsthistorischen Museum Wien steht eine ähnliche Skulptur, genannt der Schaber von Ephesos.

Der Cortile Ottagono, früher Statuenhof genannt, beherbergte den frühesten Grundstock der klassischen Antike innerhalb der Päpstlichen Sammlungen. Papst Julius II. della Rovere (1503-1513) und seine direkten Nachfolger trugen Skulpturen zusammen, die zu den berühmtesten in Rom gehören, darunter die Laokoon-Gruppe, den Apollo und den Torso von Belvedere. Das Museo Pio-Clementino ist stark von den Ideen Johann Winckelmanns beeinflusst. Der deutsche Gelehrte war 1755 nach Rom gekommen, und seine Studien begründeten die Kunstgeschichte nicht nur philologisch, sondern vor allem auch ästhetisch. Kopien der berühmten Statuen stehen im Winckelmann-Museum in Stendal und ich zeige hier Fotos anderer schöner Stücke, wie den Jüngling mit der Toga und die beiden Reliefs.

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Der Cortile Ottagono – Innenhof des Schlosses Belvedere im Vatikan
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Die hintere Statue stellt den triumphierenden Perseus dar, nachdem er die Medusa, eine der drei Gorgonen, geköpft hat. Der Held ist mit einem Flügelhelm, mit den Flügelsandalen des Hermes und mit der von diesem zur Enthauptung der Medusa geschenkten Sichel ausgestattet. Die vordere Statue zeigt einen von zwei Faustkämpfern.
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Statue des Flussgottes – die typische halbliegende Haltung macht ihn auf die hadrianische Zeit datierbar. In der Zeit der Renaissance wurden Überarbeitungen vorgenommen, insbesondere an Gesicht und Bart.

Der folgende Saal der Musen wurde im Jahr 1784 für Besucher geöffnet. Er wurde gestaltet, um eine Reihe von Musenstatuen, Hermen und Büsten bekannter griechischer Persönlichkeiten auszustellen, die in der sog. Villa di Cassio bei Tivoli gefunden wurden. Um die Gesamtheit der neun Personifizierungen der Künste zu vervollständigen, haben die Restaurateure seinerzeit einige Skulpturen zu Musen umgestaltet. Der schöne pompejanisch-rote Hintergrund der Statuen und Büsten wurde im 19. Jahrhundert realisiert, als die Landschaftsmalereien überstrichen wurden.

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Schutzgöttinnen der Künste: die Musen Klio, Urania und Thalia.

Apollo und die neun Musen Klio, Euterpe, Melpomene, Erato, Terpsichore, Urania, Thalia, Polyhymnia, Kalliope. Als Beschützer der Künste und der Musik stand der Gott Apollo den neun Musen vor. Auf den Fotos hier abgebildet sind Klio, Euterpe, Erato, Urania und Thalia. Apollo ist einmal mit der Kithara und einmal mit dem Kopf des Dionysos zu sehen.

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Die Muse Urania: Restaurierte Marmorstatue nach griechischen Vorlagen aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. Sie ist in der griechischen Mythologie die Muse der Sternkunde, Namensgeberin des Asteroiden Urania aber auch wissenschaftlicher Institutionen wie der Berliner Gesellschaft Urania.

Dem Saal der Musen schließt sich der Runde Saal an, besser bekannt als Sala Rotonda. In dem runden, kuppelgekrönten Saal stehen in Nischen mehrere Kolossalstatuen und dazwischen, auf Halbsäulen, große Büsten. Alle sind von eindrucksvoller Qualität und stellen Göttinnen und Götter, Kaiser und Günstlinge aus der Zeit der römischen Antike dar. Der Blick der meisten Besucher fällt aber wohl erst einmal auf die vergoldete Bronzestatue des Herkules.

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Statue des Genius Augusti und Büste einer Frau des severischen Kaiserhauses.

Die vergoldete Bronzestatue des Herkules wurde 1864 im Bereich des Teatro di Pompeo in Rom gefunden und wenig später Papst Pius IX. geschenkt. Der Bildhauer Pietro Tenerani hat die Skulptur restauriert. Dargestellt ist ein jungen Herkules, der sich auf eine Keule stützt und die Äpfel der Hesperiden in der linken Hand hält. Die Hesperiden sind in der griechischen Mythologie Nymphen, welche in einem Garten einen Baum mit goldenen Äpfeln hüten. Zu einer der zwölf Taten des Herkules gehört das Pflücken eben dieser goldenen Äpfel. Über den linken Arm hängt das Fell eines Löwen aus seiner ersten Tat. Mit Reliefs der Herkulessage sind auch die Durchgänge des Brandenburger Tores in Berlin geschmückt. Und natürlich verbinde ich mit Herkules auch die Erinnerung an meine Zeit an der Universität Kassel. Dort thront die Kupferstatue des griechischen Halbgottes als Wahrzeichen der Stadt auf dem Oktogon im Bergpark Wilhelmshöhe.

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Gesundheits-Check an der Herkulesstatue während der durch Covid-19 reduzierten Besuchsmöglichkeiten.

Der Sala Rotonda ist aber auch insgesamt als Saal ein Schmuckstück. Seine Bauweise mit einer Rundkuppel ist vom Pantheon inspiriert. Fast den gesamten Bodenbereich schmückt ein römisches Mosaik aus dem 3. Jahrhundert. Im Zentrum des Raumes steht ein großes Becken aus rotem Porphyrstein mit fast 4 Metern Durchmesser. Das Wasserbecken ist aus einem Stück gehauen und wurde im Bereich des sogenannten Goldenen Hauses des römischen Kaisers Nero gefunden. Die Bodenmosaike sind aus zwei Funden aus den antiken Thermenanlagen in Otricoli und Sacrofano zusammengefügt. Vor dem Alten Museum in Berlin steht ein ziemlich ähnliches Becken, das sogar noch ein ganzes Stück größer ist.

Der Griechische Kreuzsaal (Sala a Croce Greca) ist auf meinem Rundgang der letzte Saal des Museo Pio-Clementino, eigentlich aber eine Art Vestibül, die repräsentative Eingangshalle des Museums. Bekannt ist er wegen der beiden Sarkophage, für die heiligen Helena und der Constantina, der Mutter und der Tochter des römischen Kaisers Konstantins des Großen. Sehr schön sind aber auch die Büsten und Statuen, wie der Togatus mit dem ergänzten Portraitkopf aus der Mitte des ersten Jahrhunderts.

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Im Griechischen Kreuzsaal (Sala a Croce Greca) mit Blick (zurück) auf den Runden Saal (Sala Rotonda)

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Ein Redner im Senat? Togastatue mit nicht zugehörigem Portraitkopf. Tschüss – Ciao – Auf Wiedersehen!

Mein Überblick zu den Antikenmuseen in den Vatikanischen Museen.

Vatikanische Museen
Viale Vaticano, Rom

Aktuell geöffnet. Zutritt mit Grünem Pass, vergleichbar der 3G-Regelung in Deutschland.

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