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Klasse Kopien in der Kieler Kunsthalle

Die Kieler Kunsthalle beherbergt die Antikensammlung der Christian-Albrechts-Universität. Sie ist eine der bedeutendsten Abguss-Sammlungen von bekannten Skulpturen der Griechen und Römer im Norden. Auch wenn es nur Kopien aus Gips sind, die Sammlung und Präsentation ist klasse.

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Wagenlenker von Delphi

Die 2.500 Jahre alte Bronzestatue, von der in der Kieler Kunsthalle ein Gipsabguss gezeigt wird, gehörte einst zu einem Wagen mit Vierergespann, das im Apollonheiligtum in Delphi aufgestellt war. Die Statue Der Wagenlenker von Delphi ist eine der sieben noch erhaltenen Großbronzen aus der griechischen Antike. Die anderen Bronzen sind der Faustkämpfer vom Quirinal und der Thermenherrscher, die beide auch als Abgüsse in der Kieler Kunsthalle stehen, sowie der Poseidon und der Reiter vom Kap Artemision und die beiden Bronzestatuen Krieger A und B von Riace.

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Verwundete Amazone und Speerträger des Polyklet neben Teilen des Parthenonfrieses

Die wohl bekannteste Darstellung eines Diskuswerfers ist der sogenannte Diskobol des Myron. Vielleicht schuf der griechischen Bildhauer die Statue seinerzeit zur Siegerehrung eines erfolgreichen Fünfkämpfers. Das Vorbild dieses rekonstruierten Gipsabgusses steht im Nationalmuseum in Rom.

Ein Abguss der Statue des Gottes Apollon steht in der Kieler Kunsthalle neben dem Diadumenos des Polyklet. Die Kasseler Apoll genannte Statue hielt wohl in der linken Hand Pfeil und Bogen und in seiner Rechten einen Lorbeerzweig. Der Diademträger ist ein bekanntes Motiv, wurde oft kopiert und geht auf das Original einer Bronzestatue des Bildhauers Polyklet zurück. 

Die Statue der Athena Lemnia zeigt die Athener Stadtgöttin, wie sie damals auf der Akropolis stand. In der linken Hand hielt sie eine Lanze, in der rechten Hand den abgenommenen Helm. Vermutlich sollte mit diesem Typus der Athena, die Bündnistreue der Bewohner der griechischen Insel Lemnos gewürdigt werden. Das marmorne Vorbild der Athena Lemnia steht in der Dresdner Antikensammlung. Der meiste Teil jedenfalls. Der Kopf befindet sich in einem Museum in Bologna.

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Venus von Milo im Saal mit Statuen

Mittelpunkt des dritten Saales in der Antikensammlung der Kieler Kunsthalle ist die griechische Göttin Aphrodite bzw. Venus, wie die Römer sie nannten. Der Darstellungstyp der Venus von Milo ist eines der bekanntesten Beispiele der hellenistischen Kunst. Das Original wurde vor 200 Jahren auf der griechischen Insel Milos bei der Ruine eines antiken Theaters entdeckt. Heute steht die Venus von Milo im Pariser Louvre.

Zwei weitere Aphrodite-Statuen, nach ihrem Fundorten Venus von Capua und Aphrodite von Knidos genannt, stehen hier ebenfalls. Angeblich hat der Bildhauer Praxiteles im Auftrag der Bewohner der Insel Kos zwei Varianten der Aphrodite-Statue geschaffen. Die Auftraggeber wählten die bekleidete Version. Ob es für die Abgesandten von Knidos ein Schnäppchen-Kauf war, die andere Statue zu erwerben, weiß man nicht. Eine gute Entscheidung war es jedenfalls. Ein zeitgenössischer Autor schrieb darüber, dass die Venus des Praxiteles alle Kunstwerke der ganzen Welt überträfe und viele die Seefahrt nach Knidos unternommen hätten, bloß um diese Statue zu sehen.

Keine Göttin, sondern ein Mädchen stellt eine andere Statue dar. Das Mädchen von Antium ist eine Opferdienerin. Die in einer Villa des Kaisers Nero im Küstenort Antium bei Rom gefundene Statue ist ein Meisterwerk der frühhellenistischen Plastik aus der Mitte des 3. Jahrhunderts vor Christus.

Neue Kaiser, neue Kaiserportraits. An drei Büsten wird beispielhaft die Herausarbeitung des Gesichts des römischen Kaisers Septimius Severus aus dem Portraits seines Vorgängers Antoninus Pius gezeigt. Der Hinterkopf und die Haarkappe hinter den Stirnlocken geben dabei nach wie vor das Bildnis des Antoninus Pius wieder. Die Stirnfrisur und das Gesicht werden dagegen mit Bohrer und Meißel umgearbeitet. Da für den längeren Kinnbart des Septimius Severus zu wenig Marmormasse vorhanden war, musste die Bartspitze angestückt werden. Ein eigener Raum in der Kieler Kunsthalle zeigt Portraits von Kaisern und Gattinnen, Feldherren und Staatsmännern.

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Victoria von Brescia und der Schaber des Lysipp

Vielleicht auch eine Darstellung der Venus war die Statue der Victoria von Brescia. Zur geflügelten Siegesgöttin wurde sie möglicherweise später umgearbeitet, meinen Teile der Fachwelt. Sie ähnelt nämlich in Ausdruck und Haltung sehr der Venus von Capua, die im dortigen Amphitheater gefunden wurde. Neben ihr steht in der Kieler Kunsthalle die Statue Der Schaber. Sie stellt einen Athleten dar, der sich Staub und Schweiß mit Hilfe einer Strigilis, eines Schabeisens, von der Haut abstreift. Im Kunsthistorischen Museum in Wien steht eine Originalvariante dieses Statuentyps, der Schaber von Ephesos.

Die antike Victoria als Versinnbildlichung des militärischen Sieges hatte im 19. Jahrhundert wieder Konjunktur. Die vielfach aufgestellten Statuen waren Symbole der Heldenverehrung, aber auch der Heldenerziehung der Jugend. Viele starben dann auf den Schlachtfeldern der zahlreichen Kriege.

Zu verdanken ist die Antikensammlung dem Engagement des Professors für Altertumskunde Peter Wilhelm Forchhammer und den Spenden bürgerlicher und adeliger Kunstfreunde in den 1840er Jahren. Die Kieler Mäzenin Lotte Hegewisch vermachte später der Kieler Universität testamentarisch ihre Villa und das Grundstück am heutigen Düsternbrooker Weg, auf dem die Kunsthalle gebaut und 1921 eröffnet wurde. Im Jahr 1983 wurde der Verein Freunde der Antike Kiel gegründet.

Antikensammlung in der Kunsthalle Kiel
Christian-Albrechts-Universität
Düsternbrooker Weg 1
D 24105 Kiel

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