Gallien·Römer

Neueröffnung: Musee de la Romanite Nimes

Das Rom Frankreichs hat eine neue Attraktion: Das futuristische Musee de la Romanite Nimes neben dem Amphitheater in Nimes. Am 2. Juni 2018 eröffnete es. Entworfen wurde es von der Architektin Elizabeth de Portzamparc. Das neue Museum kann jetzt 5.000 seiner 25.000 Exponate auf knapp 10.000 qm Ausstellungsfläche zeigen. Die gewellte Struktur der Außenfassade besteht aus mehr als 6.000 Glasquadraten und soll sowohl an den Wurf einer römischen Toga als auch an römische Mosaike erinnern. Andere erinnert es an ein gläsernes Kettenhemd. Wie auch immer, schön sieht es aus.

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Blick aus dem Eingangsbereich des Musée de la Romanité Nimes

Gezeigt werden Mosaike, Grabstelen und Weihesteine, Skulpturen, Büsten und andere Stücke aus römischer Zeit. Nicht gespart wurde am Multimedia-Angebot. Audiovisuelle Technik, virtuelle Führungen und interaktives Kartenmaterial ergänzen und erklären viele Ausstellungsstücke. Auf den Meilenstein an der einstigen Römerstraße von Narbonne nach Nimes beispielsweise wird eine Animation geworfen, die den Hintergrund des Inschriftensteins erklärt. Empfehlenswert ist auch der Film, der im nahegelegenen Maison Carree gezeigt wird. Die Romanisierung Galliens wird veranschaulicht an der Familiengeschichte der Adgennix. Während der Vorfahre als gallischer Hilfstruppenführer für Cäsars gegen andere gallische Stämme kämpfte, tragen seine Kinder bereits romanisierte Namen. Der Nachfahre Sextus Adgennius Macrinus und seine Frau Licinia Flavilla gehören als Stadtrat und Priesterin zu den lokalen Eliten Nemausus. Ihr Grabstein steht im Musée de la Romanité Nimes.

Animation auf einem römischen Meilenstein. Die Inschrift sagt aus, das Kaiser Tiberius, Sohn des vergöttlichten Augustus, diese Straße erneuern ließ. Darunter das Bild mit dem Sockel einer Statue, vielleicht zu einem Grabmal gehörig. In der Inschrift danken die Freigelassenen Anteros und Hyllus dem Quästor Titus Caecilius Guttur für ihre Freilassung.

Zur Eröffnung des neuen Museums startete auch gleich die Sonderausstellung “Gladiatoren: Helden des Kolosseums” im Untergeschoss. Bis September 2018 ist eine wirklich sehenswerte Schau mit bedeutenden Leihgaben aus Rom, Neapel oder Aquileia zu besichtigen. Die Ausstellungsräume sind sehr dunkel, alles ist in schwarz gehalten. Der Tod lässt grüßen. Aber der Tod in der Arena fand im Hellen statt, Gladiatorenkämpfe waren öffentliche Spektakel.

Begleitet wurde die Eröffnung des Musee de la Romanite Nimes von einer kleinen Demonstration. Angesichts leerer Stadtkassen und Baukosten von 60 Millionen Euro für das neue Museum fordern sie, die anderen Kulturbereiche nicht zu vergessen. Die Befürworten des Museums haben aber wohl auch die Bewerbung der Stadt Nimes für die Anerkennung als UNESCO Weltkulturerbe vor Augen. Ende des Monats soll die Entscheidung fallen. Dann zieht Nimes mit der Nachbarstadt Arles gleich, die Weltkulturerbestadt mit Römermuseum ist. In Narbonne dagegen verzögert sich die Fertigstellung des Megamuseums zur Antike NarboVia bis 2020. Bis dahin kann man ja mal oder mal wieder das ebenfalls beeindruckende gallo-romanische Museum in Lyon besuchen.

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Demonstration für eine breite Kulturförderung bei der Eröffnung des Musée de la Romanité in Nimes

Musee de la Romanite Nimes, 16 Boulevard des Arènes, 30900 Nîmes, Frankreich. Täglich geöffnet, 8 Euro Eintritt. Mit Dachterrasse und Sternerestaurant, Garten und Museumscafe.

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